Zwischen Staatsoper, Karlsplatz und Schillerpark befindet sich eine der prominentesten ÖBB-Immobilien Wiens. Der historische Schillerhof am Schillerplatz 1–2 (Wien-Innere Stadt) gehörte einst zu den wichtigsten Bürostandorten der Bahn – seit Jahren ist das riesige Gebäude jedoch weitgehend verwaist.
Das soll sich nun ändern. Die ÖBB haben ihr neues Konzept für den Schillerhof vorgestellt. Das gesamte Ensemble wird generalsaniert, das Dachgeschoß ausgebaut und das Gebäude anschließend als Büro- und Gewerbehaus für mehrere Mieter genutzt. Der Baubeginn ist für Mitte 2028 vorgesehen. Im Sommer 2030 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, Ende 2030 können die neuen Büromieter übernehmen.
Der Schillerhof blickt auf eine lange Geschichte zurück. Errichtet wurde er zwischen 1870 und 1872. 1896 kaufte der Pensionsfonds der k. k. österreichischen Staatsbahnen das Gebäude und vermietete es an das damalige Eisenbahnministerium. Später waren hier unter anderem der Verfassungsgerichtshof und der Verwaltungsgerichtshof untergebracht. Ab 1945 diente der Gebäudekomplex als Generaldirektion der Österreichischen Bundesbahnen.
Doch mit dem Umzug der ÖBB-Verwaltung in die neue Konzernzentrale am Hauptbahnhof verlor der Schillerhof seine wichtigste Funktion. 2019 zogen die letzten Verwaltungsmitarbeiter aus. Seitdem steht ein Großteil des Hauses leer.
Der jahrelange Leerstand sorgte zuletzt sogar für politische Anfragen im Nationalrat. Im Mai 2026 wurde die Nutzung des Schillerhofs sowohl beim Infrastrukturministerium als auch beim Kulturministerium thematisiert.
Nun ist die Entscheidung gefallen: Die ÖBB verkaufen das Gebäude nicht, sondern entwickeln es selbst. Nach der Sanierung sollen maximal rund 22.000 Quadratmeter vermietbare Fläche zur Verfügung stehen. Pro Stockwerk sind rund 3.000 Quadratmeter vorgesehen.
Der Schillerhof wird dabei zum sogenannten Multi-Tenant-Haus. Statt eines einzigen Großmieters sollen mehrere Unternehmen einziehen können. Die Grundrisse können je nach Bedarf angepasst werden.
"Ein Haus wie der Schillerhof kommt nicht oft auf den Markt. Die Kombination aus Lage, Substanz und Größe gibt es im ersten Bezirk selten", erklärt ÖBB-Infrastruktur-Vorständin Silvia Angelo. Die ÖBB führen bereits Gespräche mit möglichen Mietern. Interesse gebe es unter anderem von öffentlichen Stellen und Kanzleien.
Von außen soll der historische Charakter des Gebäudes erhalten bleiben. Die denkmalprägende Fassade und die Stiegenhäuser werden saniert, die gesamte Haustechnik hingegen erneuert. Im Inneren verschwinden viele der kleinteiligen Bürostrukturen aus der Zeit als Amtsgebäude. Stattdessen entstehen größere zusammenhängende Büroflächen. Im ausgebauten Dachgeschoß kommen zusätzliche Räume mit Blick über die Wiener Innenstadt hinzu.
Ganz ausgestorben ist der Schillerhof übrigens auch derzeit nicht. Die Geschäfte in der Erdgeschoßzone an der Operngasse bleiben bestehen. Apotheke, Restaurant und weitere Handelsflächen sollen sogar während der gesamten Sanierung weiterbetrieben werden. Die Bauarbeiten selbst werden rund 26 Monate dauern.
Der Schillerhof ist dabei nur ein kleiner Teil des riesigen Immobilienbesitzes der Bahn. Die ÖBB-Immobilienmanagement GmbH verwaltet österreichweit 21.914 Liegenschaften und 3.482 Gebäude. Die Grundstücksfläche im ÖBB-Besitz beträgt rund 190,8 Millionen Quadratmeter – davon befinden sich alleine 10,5 Millionen Quadratmeter in Wien.