In der amerikanischen Medienbranche sorgt derzeit ein Fall für Aufsehen: Der nichtkommerzielle Fernsehsender Nine PBS aus St. Louis hat kein lokales Backup seines Archivs. Die Daten sind zwar nicht verloren, doch der Sender kommt einfach nicht an sie heran.
Das Problem: Der Cloud-Anbieter OSS, bei dem Nine PBS seine 50 Terabyte an TV-Material gespeichert hatte, ist insolvent. Die Daten liegen physisch bei Iron Mountain, doch dieses Unternehmen sieht sich nicht als Vertragspartner des Senders.
Iron Mountain gehe davon aus, dass die Daten rechtlich im Eigentum von OSS liegen, heißt es auf "heise.de". Das Unternehmen biete lediglich eine Art Housing an und habe deshalb die Infrastruktur von OSS angemietet.
Ein Richter ordnete nun an, dass Nine PBS über die Reste von OSS Zugang zu den Daten organisieren muss. Erst dann soll Iron Mountain beim tatsächlichen Zugriff helfen. Die drei Parteien haben dafür 30 Tage Zeit.
Bei dem gefährdeten Material handelt es sich laut Nine PBS um unwiederbringliche Aufnahmen aus den letzten 70 Jahren.
Der Sender hatte Glück, dass Iron Mountain die Daten überhaupt noch aufbewahrt hat – schließlich ist OSS bereits seit über einem halben Jahr pleite.
Der Fall zeigt eindrucksvoll, wie riskant es sein kann, sich ausschließlich auf Cloud-Speicher zu verlassen. Experten raten dazu, wichtige Daten immer auch lokal zu sichern - gerade bei unwiederbringlichen Archiven.