Lange Zeit konnte das Schweizer Model Tamy Glauser (41) nicht zu sich selbst stehen. Wie sie im Podcast "Spaghetti mit Ketchup und Chäs" erzählt, hatte Tamy schon als Kind mit Verlustängsten zu kämpfen. Aufgewachsen bei Pflegeeltern und ohne Kontakt zum Vater, wurde Tamy in der Schule gemobbt. Das hinterließ tiefe Spuren am Selbstwertgefühl.
Um den Hänseleien zu entkommen, stellte sich Tamy irgendwann auf einen weiblicheren Stil um und ging mit Burschen aus. Doch das wahre Ich blieb lange im Verborgenen. Dass Tamy eigentlich auf Frauen steht, wurde verdrängt.
Den Sex mit Männern beschreibt das Model heute als "Hölle". "Als ich mehrere Male mit Männern im Bett gewesen war und immer dieselbe Erfahrung gemacht hatte, dachte ich mir, ich sei asexuell", erinnert sich Tamy. "Ich war voll im Frieden damit."
Die große Veränderung kam mit 17 Jahren, als Tamy erstmals mit einer Frau zusammenkam. "F*ck, ich bin nicht asexuell" und "Wieso ich?" – das waren die Gedanken damals. Auf die Frage von Moderator Jontsch, ob das kein schönes Erwachen gewesen sei, antwortet Tamy ehrlich: Körperlich ja, aber seelisch war es das Schlimmste. "Ich dachte mir: Ich hätte lieber HIV, als lesbisch zu sein."
Der Grund dafür liegt in den Vorurteilen, die früher in der Gesellschaft herrschten. Lesbisch zu sein galt laut Tamy als "inakzeptabel und verhasst". "Wir hatten in unserem Dorf ein lesbisches Paar und alle haben diese gehasst und gemobbt", erinnert sich das Model.
Erst mit rund 25 Jahren konnte Tamy die eigene Sexualität annehmen. "Meine Sexualität ist tiptop. Ich möchte sie nicht mehr ändern", sagt das Model heute. Trotzdem sei der Weg zur Selbstfindung noch nicht vorbei: "Ich glaube, der hört nie auf."
Derzeit definiert sich Tamy als transmaskulin. Das bedeutet, dass Tamy sich weder als Frau noch als Mann sieht, sondern als non-binär. Gleichzeitig versteht sich Tamy als maskuline lesbische Person. Beim Pronomen bevorzugt Tamy "Es". "Das ist für die meisten Menschen komisch, aber in Bern ist das voll liebevoll und nicht auf eine Sache bezogen", erklärt Glauser.