Für Erika Giovanna Klien hätte 1929 eigentlich ein neues Kapitel beginnen sollen. Doch kaum war die österreichische Künstlerin in der Metropole angekommen, krachte die Börse – und ihre großen Pläne gerieten ins Wanken.
Heute gehört sie zu den spannendsten Künstlerinnen des Wiener Kinetismus. 1900 im Trentino geboren, kam sie 1919 nach Wien und studierte an der Kunstgewerbeschule. Aktuell widmet ihr das Untere Belvedere eine große Personale, die ihr vielseitiges Schaffen neu entdecken lässt.
Dabei hatte Klien bereits einiges vorzuweisen. Die 1900 im Trentino geborene Künstlerin war 1919 mit ihrer Familie nach Wien gekommen und hatte dort an der Kunstgewerbeschule studiert. Als Schülerin von Franz Čižek wurde sie zu einer der bekanntesten Vertreterinnen des Wiener Kinetismus – einer Kunstrichtung, die Expressionismus, Kubismus und Futurismus miteinander verband.
Ihre Werke schafften es schon früh über den Atlantik: In den 1920er-Jahren wurden sie in den USA und Kanada gezeigt, 1926/27 sogar im Brooklyn Museum in New York.
1929 zog Klien schließlich selbst nach New York. Doch die Great Depression machte den Neustart schwierig. Um finanziell über die Runden zu kommen, arbeitete sie vor allem als Kunstpädagogin. Eine Einzelausstellung an der New School for Social Research 1930 brachte zwar Aufmerksamkeit, der große Durchbruch blieb jedoch aus.
1938 wurde Klien US-amerikanische Staatsbürgerin. Während des Zweiten Weltkriegs brach der Kontakt zu Teilen ihrer Familie in Österreich ab. Eng verbunden blieb sie mit ihrer Schwester Bertha, die als Augenärztin in Chicago arbeitete.
Ab 1946 unterrichtete Klien an der Walt Whitman School, musste ihre Arbeit jedoch 1951 krankheitsbedingt aufgeben. In ihren letzten Werken kehrte sie noch einmal zu vertrauten Motiven zurück: zur Großstadt, zur Bewegung und zum Flug der Vögel.
Im Sommer 1957 starb Erika Giovanna Klien in New York. Heute gilt sie als bedeutende Vertreterin des Wiener Kinetismus.