Aus Salzburg kommt massive Kritik an der geplanten Verteilung der Kassenarztstellen bis 2030. Laut der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) soll Salzburg elf zusätzliche Stellen erhalten, während in Wien 215 weitere Kassen-, Fach- und Zahnarztstellen vorgesehen sind. Für den Obmann der ÖGK in Salzburg gleicht diese Aufteilung einem Skandal, das berichtet der ORF.
Der regionale Strukturplan Gesundheit legt fest, wie viele Kassenarztstellen jedes Bundesland in den kommenden vier Jahren bekommt. Die Verhandlungen seien lange und zäh gewesen, bestätigte der Landesvorsitzende der ÖGK Salzburg, Thom Kinberger. Der Spardruck, mit dem die Kassenarztstellen bis 2030 festgelegt werden, sei hoch gewesen. Jedes Bundesland bekomme dabei von der Zentrale in Wien eine entsprechende Vorgabe und könne im Wesentlichen nur zustimmen.
Nun liegt der Landesstelle in Salzburg erstmals das Gesamtergebnis vor: Für Wien sind 215 Kassen-, Fach- und Zahnarztstellen vorgesehen, alle anderen acht Bundesländer zusammen bekommen 155 Stellen.
Kinberger bezeichnete die Verteilung als Skandal: "Was Wien mit 215 neue Kassenarztstellen zugesprochen bekommen hat, ist völlig von der Realität entkoppelt. Das passt weder mit dem Einwohnerrichtwert zusammen noch mit dem Bedarf", sagte Kinberger. Wien habe bereits jetzt eine "perfekte Gesundheitsversorgung".
"Wien saugt die Arztstellen ab und der Rest Österreichs bleibt auf der Strecke", kritisierte Kinberger weiter. Salzburg sei bereits ein Nettozahler innerhalb der ÖGK und zahle mehr in den Haushalt ein, als an Mittel zurückkommen. Wien hingegen sei laut Kinberger für rund 60 Prozent des Budgetdefizits der Krankenkasse verantwortlich.
Schriftlich teilte die ÖGK dazu auf ORF-Anfrage mit, dass keine Kassenarztstellen von Wien zu Lasten anderer Bundesländer abgezogen würden. In Wien gebe es den Wunsch nach einer Verlagerung vom stationären hin zum ambulanten Bereich. Diese Umstrukturierung müsste die Stadt Wien aber auch mitfinanzieren, hieß es von der Gesundheitskasse.
Der Bedarf an Kassen- und Facharztstellen werde von der ÖGK mit Hilfe eines Institutes auf Grundlage von Bevölkerungs- und Demographieentwicklung festgelegt. Kinberger forderte mehr Transparenz, bevor Entscheidungen getroffen werden.
"Du bekommst natürlich nur diesen kleinen Fokus, der dich in deinem Bundesland betrifft. Und mit dieser Information musst du dann Entscheidungen treffen und diese Intransparenz ist wirklich unglaublich. Ich glaube, hier muss man jetzt wirklich auf bundespolitischer Ebene einschreiten und das hinterfragen", sagte Kinberger. In diesem Punkt sei er sich auch mit vielen seiner Kollegen aus anderen Bundesländer einig, betonte der Obmann der ÖGK Salzburg.