Gold im Super-G, Gold im Riesentorlauf. Und das nur zehn Monate nach einem Beinbruch – Federica Brignone wurde ausgerechnet bei den Heim-Winterspielen in Cortina zur Ski-Königin. Dabei hatte sich die 35-Jährige erst im April 2025 eine schwere Verletzung zugezogen, stürzte bei den italienischen Meisterschaften am 3. April im Fassatal, erlitt eine mehrfache Fraktur des Waden- und Schienbeinkopfes, genauso wie einen Kreuzbandriss.
Der Olympia-Traum hing plötzlich an einem seidenen Faden. Doch die Weltklasseläuferin tat alles, um doch noch in Cortina an den Start gehen zu können. Mit Erfolg. Brignone gab im Riesentorlauf am Kronplatz am 20. Jänner ihr Comeback, nach nur zwei Weltcuprennen startete sie bei Olympia. Zunächst als Zehnte in der Abfahrt, ehe sie im Super-G und im Riesentorlauf zur Goldmedaille raste, das Comeback krönte.
Doch wie geht es für die 35-Jährige weiter? Diese Frage ließ Brignone am Donnerstag offen. Die Italienerin ist mittlerweile nach Andorra gereist, absolvierte am Mittwoch in Soldeu bereits das erste Abfahrtstraining, ließ den zweiten Lauf am Donnerstag aus. "Ich lebe im Hier und Jetzt", sagte die 35-Jährige nun auf die Zukunft angesprochen. Nach Olympia hatte sich Brignone einigen Untersuchungen im Medical Center von Juventus Turin unterzogen. Das Ergebnis: Sie kann die Saison zu Ende fahren, das wird die Italienerin auch tun.
Und dann? Das ließ die Doppel-Olympiasiegerin offen. ""Ich habe jeden Tag Schmerzen, langsam habe ich die Schnauze voll davon", ließ Brignone aufhorchen. Trotzdem beißt sie auf die Zähne, habe in den letzten Tagen mit ihrem Team die nächsten Schritte besprochen: "Mein Wille war es, hierher nach Soldeu zu fahren. Ich mag es hier, ich mag die Schneebedingungen." Die Doppel-Olympiasiegerin habe aber nach dem ersten Trainingslauf "starke Schmerzen" gehabt, sei den ganzen Tag gehumpelt.
Genau das mache der 35-Jährigen auch zu schaffen. "Vom Skifahren habe ich die Schnauze nicht voll, von den ständigen Schmerzen aber schon. Ich muss bei jedem Einfahren darauf achten, keine falsche Bewegung zu machen. Manchmal sehe ich die Sterne, das macht keinen Spaß", so die Star-Läuferin, die auch einen baldigen Rücktritt in Aussicht stellte. "Wenn es nicht besser wird, ist es unwahrscheinlich, dass man mich nächstes Jahr auf der Piste sieht. Ich will nicht, dass jeder Tag eine Folter ist", so die Italienerin.
Sie wolle noch ein Monat lang im Weltcup mitfahren, dann ihr Bein schonen. Und dann weiter in die Zukunft blicken. "Leider wird mein Bein nie mehr so sein, wie vor dem Unfall. Deshalb würde ich meine zwei Goldmedaillen sofort für ein gesundes Bein eintauschen", sagte sie.