Ein Bewerbungsgespräch soll eigentlich zeigen, ob ein Job und ein Bewerber zusammenpassen. In diesem Fall bekam eine junge Frau allerdings einen Vorgeschmack darauf, wie eigenartig ihr möglicher Arbeitsalltag werden könnte. Sie schildert auf Reddit ein Gespräch, das mit einer harmlosen Frage nach dem Anfahrtsweg begann und anschließend immer persönlicher wurde. Die Bewerberin saß nach eigenen Angaben mit drei Personen in einem Besprechungsraum. Die Chefin fragte zunächst, ob sie einen Freund habe.
Als die junge Frau verneinte, soll die Vorgesetzte daraufhin erklärt haben: "Kein Problem, wir haben hier ja genügend hübsche Mitarbeiter für dich." Danach wechselte das Gespräch zum Sternzeichen. Die Bewerberin sagte, dass sie Fische sei. Die Reaktion der Chefin: Fische seien schließlich "immer so emotional". Daraus entwickelte sich die nächste ungewöhnliche Frage. Die Bewerberin sollte erklären, was sie zum Weinen bringe und ein konkretes Beispiel nennen.
Die Begründung laut Schilderung: Es wäre unpraktisch, wenn die Mitarbeiterin bei jeder Kritik sofort zu weinen beginne. Bis dahin war das Gespräch für die Bewerberin zwar merkwürdig, doch danach ging es zunächst um die eigentliche Arbeit. Sie sollte rund eine Stunde mit dem System des Unternehmens arbeiten. Dabei habe sie grundsätzlich einen guten Eindruck von den Aufgaben bekommen.
Die Chefin bat die Bewerberin in ihr Büro und schloss die Tür. Statt über die absolvierte Aufgabe zu sprechen, fragte sie nach deren Kinderplanung. Die Frage sei zwar eigentlich nicht erlaubt, erklärte die Chefin laut dem Reddit-Beitrag, man müsse es aber für die Planung wissen. Weil die Bewerberin Anfang 20 sei, wolle sie wissen, ob sie wirklich keinen Freund habe oder bald Kinder bekommen wolle.
Genau an diesem Punkt kippte die Stimmung endgültig. Die Bewerberin schreibt, sie sei völlig perplex gewesen und habe zunächst gar nichts gesagt. Die Aufgaben hätten ihr eigentlich gefallen. Nach dem Gespräch sei sie aber so unwohl gewesen, dass sie am liebsten einfach aufgestanden und gegangen wäre. Dazu kam ein weiterer Punkt: Der angebotene Job hätte lediglich 24 Urlaubstage bei einer Fünf-Tage-Woche geboten. Auch das sorgte in den Reddit-Kommentaren für Spott und Kritik.
Viele Nutzer rieten der jungen Frau deshalb, den geplanten Probetag gar nicht erst anzutreten. Einige bezeichneten das Verhalten der Chefin als eine ganze Reihe von Warnzeichen. Andere machten sich vor allem über die Sternzeichen-Frage lustig. Ein Nutzer schrieb sinngemäß, er sei bereits beim Lesen des Beitrags aus dem imaginären Besprechungsraum geflüchtet.
Besonders die Frage nach möglichen Kindern wurde in den Kommentaren diskutiert. Ein Nutzer verwies darauf, dass Arbeitgeber solche Fragen nicht einfach im Bewerbungsgespräch stellen dürfen. Eine Entscheidung über eine Bewerbung darf übrigens nicht vom erwarteten Kinderwunsch abhängig gemacht werden.
Allerdings gingen die Reaktionen auf Reddit noch weiter. Einige Nutzer berichteten von eigenen Erfahrungen mit ungewöhnlichen Fragen in Bewerbungsgesprächen. Eine Kommentatorin erzählte etwa, dass ihr früherer Arbeitgeber bewusst provozierende Fragen gestellt habe. Damit habe ein Unternehmenspsychologe herausfinden wollen, wann Bewerber eine Grenze ziehen und sagen, dass eine Frage zu weit gehe.
Ob das auch in diesem Fall die Absicht gewesen sein könnte, ist allerdings nicht bekannt. Die Bewerberin selbst schildert keine solche Erklärung. Andere Nutzer sahen das Gespräch deutlich einfacher: Wenn sich eine Führungskraft bereits beim ersten Kontakt so verhalte, werde es später wahrscheinlich nicht angenehmer. Ein Kommentator brachte es auf den Punkt und riet der Bewerberin, ihrem schlechten Gefühl zu vertrauen.
Auch die 24 Urlaubstage wurden zum Thema. Mehrere Nutzer hielten die Zahl für ungewöhnlich niedrig. Dabei wurde auch darauf hingewiesen, dass 24 Tage bei einer Sechs-Tage-Woche auf 20 Tage bei einer Fünf-Tage-Woche hinauslaufen würden. Die Bewerberin stellte später klar: In ihrem Fall ging es tatsächlich um eine Fünf-Tage-Woche. Der Beitrag entwickelte dadurch fast schon ein Eigenleben. Zwischen ernst gemeinten Warnungen fanden sich zahlreiche Witze über Fische, Schwangerschaft und die angeblich besondere emotionale Art des Sternzeichens.
Ein Nutzer schlug etwa scherzhaft vor, der Bewerberin hätte auffallen müssen, dass Fische schließlich Eier legen. Die Autorin des Beitrags nahm den Humor offenbar mit und reagierte lachend. Auch die Bewerberin selbst zog inzwischen Konsequenzen. Nachdem andere Reddit-Nutzer darauf hingewiesen hatten, dass man einen Bewerbungsprozess auf Kununu bewerten könne, schrieb sie nach eigener Aussage eine Bewertung. Den Namen des Unternehmens nannte sie im Reddit-Beitrag nicht.
Bekannt ist lediglich, dass das Bewerbungsgespräch laut ihrer späteren Antwort in Schwäbisch Gmünd stattfand. Am Ende bleibt für die Bewerberin vor allem die Frage, ob ein interessanter Job die seltsamen Momente des Bewerbungsgesprächs wert gewesen wäre. Ihre Antwort deutet klar darauf hin, dass sie die Sache inzwischen anders sieht. Einen Probetag wolle sie nach diesem Erlebnis wohl nicht mehr machen.
Und genau darin sehen viele Reddit-Nutzer den vielleicht wichtigsten Punkt: Ein Bewerbungsgespräch ist keine Einbahnstraße. Nicht nur das Unternehmen entscheidet, ob jemand zum Team passt. Auch Bewerber können dabei erkennen, wie eine mögliche Führungskraft mit persönlichen Grenzen umgeht. In diesem Fall fiel das Urteil der Reddit-Gemeinde jedenfalls ziemlich eindeutig aus: Die Aufgaben mögen interessant gewesen sein. Die Kombination aus Dating-Frage, Sternzeichen, Tränen und Kinderwunsch war für viele aber ein Grund, den Job gar nicht erst anzutreten.