Zwei Springen bei der Vierschanzentournee, beide Male erwischte es Timi Zajc. Der Slowene ist nach dem Springen in Oberstdorf, das er eigentlich als geteilter Zweiter beendet hatte, auch vor seinem Antreten beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen aus dem Bewerb genommen worden – die zweite Disqualifikation in Folge. Diesmal war wiederum das Bein betroffen, der Anzug um vier Millimeter zu weit. In Oberstdorf waren es noch drei Millimeter gewesen.
Für Zajc hat die zweite Disqualifikation in Serie weitreichende Folgen. Aufgrund des mit Saisonbeginn eingeführten Ampel-Verfahrens bei Regelverstößen erhielt der Slowene die zweite Gelbe Karte und wurde nun für die beiden verbleibenden Tournee-Springen in Innsbruck und Bischofshofen gesperrt.
"Das ist ein Denkzettel für ihn. Ich finde es frech – und das nicht im positiven Sinne. In Oberstdorf hatte ich ein bisschen Mitleid mit ihm. Aber ich habe absolut überhaupt kein Verständnis für das, was hier passiert ist", meinte der ehemalige deutsche Top-Springer Martin Schmitt in seiner Rolle als "Eurosport"-Experte nach der zweiten Zajc-Disqualifikation in Folge. Der 25-Järhige selbst hatte seine erste Disqualifikation noch mit Humor genommen: "Lasst uns den Anzug ein bisschen stretchen", so Zajc damals. Genau diese Aussagen könnten die Kontrolleure zusätzlich auf die Spur des Slowenen gebracht haben. "Das ist konsequent und gibt Timi Zajc eine kleine Denkpause", so Schmitt. In Garmisch-Partenkirchen waren auch der US-Amerikaner Jason Colby und der Türke Fatih Arda Ipcioglu aus dem Bewerb genommen worden.
Im Lager der Slowenen ist der Unmut derweil aber groß ."Zajc hat den Anzug genutzt, weil er die Vorgaben bei der Messung vor dem Springen erfüllt hat", betonte etwa Sloweniens Skisprung-Chef Gorazd Pogorelcnik gegenüber "STA". Es sei "schwer zu sagen", warum die offizielle Messung der FIS zu einem anderen Urteil kam. Es sei vielmehr "am wahrscheinlichsten", dass sich der Anzug aufgrund der "Wetterbedingungen" oder von "natürlichen Einflüsse wie der Feuchtigkeit oder Temperatur" verändert habe. Diese Faktoren habe man bisher nicht ausreichend berücksichtigt, so Pogorelcnik. "In Zukunft werden wir mehr darauf achten müssen", so der Skisprung-Boss der Slowenen, forderte damit Veränderungen des Messverfahrens.
Die Tatsache, dass Zajcs Anzug nicht den Regeln entsprach, die der anderen Springer aber schon, erklärte Pogorelcnik damit, dass jeder Sprunganzug eine Einzelanfertigung sei. "Manche sind weicher, andere ein bisschen härter. Die Struktur und die Farbe des Stoffes können sich auch unterscheiden und Einfluss haben. Es gibt viele Faktoren", so der Slowene.
Deshalb habe Sloweniens Verband auch bereits einen Protest eingebracht – nicht gegen die Zajc-Disqualifikation, sondern gegen das Messverfahren. Der 25-Jährige war schließlich entgegen der üblichen Praxis vor seinem Sprung kontrolliert worden.