720 Teilnehmer aus 52 Nationen kamen Anfang September zur siebenten "Underground Economy Conference" (UEC) am Sitz des Europarates in Straßburg. Mit dabei war auch die Wiener Polizei – und die hatte einen außergewöhnlichen Cybercrime-Fall im Gepäck.
Oberstleutnant Florian Finda, Leiter des Assistenzdienstes des Landeskriminalamtes Wien, präsentierte gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Wien und Carmen Kainz, Leiterin der dortigen Kompetenzstelle Cybercrime, die Ermittlungen rund um den sogenannten "SMS Blaster".
Der Fall hatte im Frühjahr für Aufsehen gesorgt. Seit 6. April 2026 soll eine zunächst unbekannte Täterschaft mit einem oder mehreren "SMS Blastern" durch den Großraum Wien gefahren sein. Besonders an Orten mit vielen Menschen – etwa bei größeren Veranstaltungen – wurden die Geräte offenbar aktiviert.
An mehreren Tagen stellten die Ermittler stundenlange Bewegungen fest, teilweise mehrmals täglich. Dabei sollen mehrere Millionen betrügerische SMS im Namen bekannter Paketdienste und Mobilfunkanbieter verschickt worden sein.
Das Perfide an der Technik: Ein "SMS Blaster" kann eine Mobilfunkzelle imitieren und Smartphones in seiner Umgebung dazu bringen, sich mit ihm zu verbinden. So können tausende Nachrichten gleichzeitig verschickt werden. Laut Polizei schafft ein solches Gerät bis zu 100.000 SMS pro Stunde.
Nach umfangreichen Ermittlungen gelang der Polizei schließlich am 14. Mai der Zugriff. Gegen 15.47 Uhr lokalisierten die Ermittler ein verdächtiges Fahrzeug. Der Lenker, ein damals 32-jähriger chinesischer Staatsbürger, wurde von Beamten des Einsatzkommandos Cobra festgenommen. Der Mann zeigte sich später geständig.
Doch im Auto machten die Beamten noch eine überraschende Entdeckung: Neben einem "SMS Blaster" befand sich auch der erst sechs Monate alte Sohn des Verdächtigen im Wagen. Von den Geräten kann eine erhebliche Strahlenbelastung ausgehen. Deshalb wurde gegen den 32-Jährigen nicht nur wegen des Verdachts des versuchten gewerbsmäßigen Betrugs, sondern auch wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit seines Sohnes ermittelt.
Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung fanden die Ermittler einen weiteren "SMS Blaster", zwei Notebooks, zehn Mobiltelefone und zwei Tablets. Dazu kamen Batterien, Spannungswandler und weiteres technisches Equipment. Die Geräte wurden zur IT-forensischen Untersuchung sichergestellt. Der Beschuldigte wurde in eine Justizanstalt gebracht.
Genau diese Ermittlungen stellte die Wiener Delegation nun in Straßburg im Rahmen einer internationalen "Law Enforcement Case Competition" vor. Die Underground Economy Conference bringt jedes Jahr Strafverfolgungsbehörden mit Cybersecurity- und Threat-Intelligence-Experten, Finanzinstituten, internationalen Organisationen, Wissenschaft und Privatwirtschaft zusammen. Im Mittelpunkt stehen neue Formen der Cyberkriminalität, digitale Ermittlungen und die gemeinsame Bekämpfung krimineller Online-Infrastrukturen.