Große Blamage

So kam es zum Software-Fiasko in der Formel 1

Die Formel 1 hat einen der kuriosesten Grands Prix hinter sich. Der Start in Malaysia wurde verzögert, weil alle Autos ein Software-Update brauchten.
Sport Heute
07.10.2026, 07:10
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Erst sorgte heftiger Regen für eine rund 40-minütige Verzögerung im Großen Preis von Bahrain in Malaysia. Die Autos konnten zunächst nicht auf die Strecke fahren. Als sich das Wetter gebessert hatte, gab es dann den ersten Versuch eines Rennstarts, der in einem Fiasko endete.

Während der Aufwärmrunde zum Großen Preis klagte zunächst Leader Max Verstappen über fehlenden Antrieb. Er war aufs Gaspedal gestiegen, hatte aber keine Leistung. Bei seinem RB22 konnte das Problem schnell mit einem Reset behoben werden. Wenig später setzte aber dasselbe Problem bei mehreren anderen Piloten ein. Einige mussten sogar am Streckenrand stehen bleiben, um das Auto neu zu starten. Die FIA reagierte dann blitzschnell und brach den Start ab, um schnell ein Software-Update an allen Teams auszuschicken. Dieses wurde schnell auf alle Boliden gespielt, dann konnte gefahren werden – mit eineinhalbstündiger Verspätung. Bei der Software handelt es sich um ein Einheitsprodukt des Motorsport-Weltverbandes.

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Die Formel-1-Boliden wurden also von Software-Problemen ausgebremst – ein Zeichen dafür, wie komplex die aktuellen Motorenstränge samt Hybrid-Batteriesystem sind. Fans weltweit fragen sich nun, was genau passiert ist. Und Christian Menath von "Motorsport Magazin" gab eine Erklärung ab. Zwar ist diese nicht durch den Motorsport-Weltverband FIA bestätigt, allerdings äußerst plausibel.

Achtung, jetzt wird es wirklich komplex.

Die Power-Kurven der Motoren

Grundsätzlich ist die Leistung des E-Motors auf 350 Kilowatt begrenzt, im Vergleich zum klassischen Verbrennungsmotor, der zumindest 400 Kilowatt beischießt. Doch so einfach ist es nicht. Aus Sicherheitsgründen ist auf verschiedenen Streckenabschnitten festgelegt, wie viele Kilowatt der Elektromotor beisteuern darf oder wie schnell die Zusatzenergie aus der Batterie zurückgefahren werden darf – um zu schnelles Beschleunigen oder Reduzieren des Tempos an potenziell gefährlichen Stellen zu verhindern. Das sind sogenannte Power-Kurven des gesamten Antriebsstrangs.

Hinzu kommen sogenannte alternative Power-Kurven, die von Strecke zu Strecke unterschiedlich sind. Dabei wird etwa festgelegt, dass auf manchen Streckenabschnitten die Energieabgabe aus der Batterie auf 250 Kilowatt reduziert wird, weil es keinen Sinn macht, an dieser Stelle mehr Kilowatt abzugeben.

250 kW minus 250 kW?

Das FIA-Regelwerk legt aber darüber hinaus fest, dass bei Low-Grip-Bedingungen, also Regen, die maximale Leistung aus der Batterie auf 250 Kilowatt beschränkt ist. Gleichzeitig soll in bestimmten Abschnitten die Leistung des Elektromotors um 250 Kilowatt reduziert werden. Und genau hier soll demnach das Problem der Motorensoftware gelegen sein. Fraglich ist nämlich, von welchem Ausgangswert die 250-kW-Reduzierung gemessen ist: von den ursprünglichen 350 Kilowatt oder von den bei Regen geltenden 250 kW.

Dann würde theoretisch die bei Regen vorgegebenen 250 Kilowatt um die auf speziellen Abschnitten vorgegebene Reduzierung um 250 Kilowatt eben eine Leistung von null ergeben. Genau dieser Passus dürfte wohl kurzfristig von den FIA-Ingenieuren aus der Software gestrichen worden sein.

Ausgelöst wurde das Problem jedenfalls durch das langsame Fahren des Pole-Seters Verstappen in der Aufwärmrunde durch Kurve neun. Danach gab es einen Ziehharmonikaeffekt und dasselbe Problem trat bei anderen Boliden auch auf.

Eigentlich hätte ein Formel-1-Auto freilich den Verbrennungsmotor, der ausreichend Leistung bereitstellen könnte. Doch durch das ganz langsame Fahren dürfte dieser wohl im sogenannten Turboloch gewesen sein – vergleichbar zum stehenden Start bei den Formel-1-Rennen. Da darf der Elektromotor erst ab 50 km/h Energie zuschießen. Wie schwer sich manche Piloten tun, die Boliden in Bewegung zu bringen, zeigt sich da bei nahezu jedem Formel-1-Rennen.

red,07.10.2026, 07:10
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