Wer in Deutschland zu schnell unterwegs ist, riskiert nicht nur ein Bußgeld, sondern auch Punkte im Flensburger Fahreignungsregister. Seit der Reform 2014 genügen bereits acht Punkte für den Führerscheinentzug – vorher waren es 18.
Doch findige Verkehrssünder haben einen Weg gefunden, ihre Punkte loszuwerden: Sie lassen sogenannte Strohmänner für sich einspringen. Diese Personen besitzen zwar einen Führerschein, brauchen aber kein Auto – und übernehmen gegen Bezahlung die Punkte der tatsächlichen Fahrer.
Wie "Chip" berichtet, nutzen die Strohmänner dabei eine simple Methode: Sie füllen den Anhörungsbogen aus und geben an, zum Tatzeitpunkt selbst am Steuer gesessen zu sein. Da Blitzerfotos oft unscharf sind, fällt die Täuschung in der Regel nicht auf.
Die Masche hat ihren Preis: Für die Übernahme eines einzelnen Punktes wegen eines Handyverstoßes verlangen Agenturen rund 340 Euro. Bei groben Geschwindigkeitsüberschreitungen von mehr als 70 km/h können es sogar über 2.000 Euro werden. Im Internet werben mehrere Anbieter ganz offen mit diesen Diensten.
Die Agenturen behaupten, ihre Dienste seien legal. Schließlich sei es nicht strafbar, sich selbst einer Ordnungswidrigkeit zu bezichtigen. Doch das Oberlandesgericht Stuttgart kam 2015 zu einem anderen Schluss: Der Punktehandel kann als falsche Verdächtigung in mittelbarer Täterschaft gewertet werden – und das ist strafbar.
Wer seine Punkte auf legalem Weg loswerden möchte, hat aber eine Alternative: Mit der Teilnahme an einem Aufbauseminar lässt sich ein Punkt streichen. Die Kosten dafür liegen bei rund 250 Euro und sind damit deutlich günstiger als der dubiose Punktehandel.
Einen Haken gibt es für die Trickser aber: Wer direkt von der Polizei bei einem Verkehrsverstoß erwischt wird, kann keinen Strohmann vorschicken. In diesem Fall steht die Identität des Fahrers eindeutig fest.