Obwohl sie hier geboren sind

So viele Wiener Taferlklassler sprechen kaum Deutsch

Neue Zahlen zu Wiens Taferlklasslern sorgen für Wirbel: Viele Schulanfänger sprechen nicht ausreichend Deutsch – obwohl sie hier geboren wurden.
Newsdesk Heute
30.09.2026, 16:03
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Eine aktuelle Agenda-Austria-Auswertung über Wiens Taferlklassler des Schuljahres 2025/26 zeigt ein erschütterndes Bild: Eigentlich sollen die Kinder in der ersten Klasse lesen, schreiben und rechnen. Laut den aktuellen Zahlen scheitert es bei vielen jedoch schon an der Sprache, die ihnen die Fertigkeiten vermitteln soll. Besonders brisant: Viele wurden in Österreich geboren, Deutsch sei für sie dennoch eine Fremdsprache.

So sind 60 Prozent der Schüler, die aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse als "außerordentlich" eingestuft wurden, hier zur Welt gekommen. Bei vielen kamen die Eltern mit der Flüchtlingswelle 2015 nach Österreich. Die für die Auswertung verwendeten Daten der Statistik Austria stammen aus einer parlamentarischen Anfrage der ÖVP und wurden von der Agenda Austria im Auftrag der "Krone" aufbereitet.

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Das sind die Problem-Bezirke

Für die Lehrer stellt dies eine große Herausforderung dar. Blickt man etwa nach Favoriten, so sprachen von 2.561 Schulanfängern 1.696 nicht ausreichend Deutsch. Sogar fast drei Viertel waren es in Margareten (74,8 Prozent). Das Problem ist leider oft hausgemacht.

Dies zeigt sich vor allem am Stadtrand Wiens. In Liesing leben mehr als drei von vier außerordentliche Erstklassler bereits ihr ganzes Leben in Österreich (76 Prozent), über 70 Prozent sind es auch in der Donaustadt (72,3 Prozent) und in Floridsdorf (71,7 Prozent). Gegenüber der "Krone" zeigte sich Agenda-Austria-Expertin Carmen Treml "erschrocken". Ihr zufolge müssten die Kinder, die hier aufgewachsen sind bis zum Schuleintritt schon ausreichend Deutsch sprechen.

Es beginnt schon im Kindergarten

Die Expertin betonte, dass die Schüler dieses Problem oft über Jahre hinweg mitschleppen würden. Manche hätten ihr ganzes Leben lang Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Das Problem sieht sie auch bei den Eltern. Diese würden Deutsch in manchen Fällen selbst verweigern. Sollten aufklärende Gespräche nicht helfen, müssten hier Sanktionen her, so die Agenda-Austria-Expertin.

Es wird betont, dass Wien hier kein Einzelfall sei, in allen Ballungszentren wäre das Problem präsent. Treml zufolge könne das Mitlernen in der Schule nicht funktionieren, wenn "70 Prozent" der Klasse nicht Deutsch sprechen. Was sich in den Schulen fortsetzt, beginnt jedoch schon im Kindergarten.

Hier wurden zwei Jahrgänge erfasst. In den öffentlichen Kindergärten der Hauptstadt haben von 16.731 Kindern 11.450 eine andere Erstsprache als Deutsch. Auch in den privaten Einrichtungen liegt die Quote bereits bei 53 Prozent. Heißt: Deutsch ist die Minderheit in Wiens Kindergärten.

Beim Mindestsicherungsgesetz nachschärfen

Ein Problem sieht die Expertin im Wiener Mindestsicherungsgesetz. Dort gibt es nämlich ein Schlupfloch, mit dem man Integrationsmaßnahmen umgehen kann. Personen, die ein unter dreijähriges Kind betreuen und keinen passenden Betreuungsplatz finden, müssen an keinen Programmen teilnehmen. Diese Ausnahme könne mit jedem weiteren Baby verlängert werden. Hier wünscht sich Treml eine Nachschärfung.

Seitens der Stadt hatte die für Bildung zuständige Stadträtin Bettina Emmerling (Neos) bereits eine Maßnahme angekündigt, die Abhilfe schaffen soll. So sollen höchstens 20 Prozent der Kinder in einer Klasse dieselbe Alltagssprache sprechen – eine Deutschquote ist hier dennoch nicht vorgesehen. Heißt: Rein theoretisch könnten in einer Klasse fünf Sprachen gesprochen werden, von denen keine Deutsch ist. Geltend werden soll das Gesetz ab 2028.

red,Akt. 30.09.2026, 16:11, 30.09.2026, 16:03