Gibt es außerirdisches Leben? Diese Frage beschäftigt die Wissenschaft seit Jahrzehnten. Bisher setzen Forscher vor allem auf indirekte Hinweise – etwa Radiosignale oder bestimmte Gase in der Atmosphäre fremder Planeten. Doch genau diese Methoden stoßen zunehmend an ihre Grenzen.
Eine der wichtigsten Strategien ist die Suche nach sogenannten Biosignaturen – also Gasen wie Sauerstoff oder Methan, die auf der Erde oft durch Leben entstehen.
Das Problem: Diese Methode geht davon aus, dass Leben auf anderen Planeten ähnlich funktioniert wie auf der Erde. Doch das muss nicht stimmen.
Zudem zeigen Studien immer häufiger, dass viele dieser Gase auch ohne Leben entstehen können – etwa durch geologische Prozesse. Das macht es schwierig, eindeutige Beweise für außerirdisches Leben zu finden.
Ein Forschungsteam der Arizona State University hat deshalb einen neuen Ansatz entwickelt: die Assembly Theory. Dabei geht es nicht um einzelne Stoffe, sondern um die Komplexität von Molekülen. Die zentrale Frage lautet: Wie aufwendig ist es, ein bestimmtes Molekül herzustellen?
Der sogenannte Assembly-Index misst, wie viele Schritte nötig sind, um ein Molekül aus einfachen Bausteinen zu bilden.
Die Grundidee: Je komplexer ein Molekül ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass es zufällig entsteht.
Wenn in der Atmosphäre eines Planeten viele solcher komplexen Moleküle vorkommen, deutet das darauf hin, dass dort Prozesse ablaufen, die über reine Chemie hinausgehen – also möglicherweise Leben.
Wichtig: Die Methode sagt nicht, wie dieses Leben aussieht – sondern nur, wo es wahrscheinlich existiert.
Ein anschauliches Beispiel ist der Vergleich zwischen Erde und Venus: Beide Planeten haben grundsätzlich ähnliche chemische Möglichkeiten. Doch die Atmosphäre der Erde enthält deutlich mehr komplexe Moleküle. Das deutet darauf hin, dass die Biosphäre der Erde – also alles Leben – die chemischen Möglichkeiten viel stärker nutzt als die rein physikalischen Prozesse auf der Venus.
Die NASA plant, diese neue Methode künftig einzusetzen – etwa beim geplanten Habitable Worlds Observatory (HWO). Dieses Weltraumteleskop soll gezielt nach erdähnlichen Planeten suchen.
Der Vorteil der neuen Methode: Statt nur "Leben vorhanden – ja oder nein" zu liefern, kann sie eine feinere Einschätzung geben, wie wahrscheinlich Leben auf einem Planeten ist.