Israel reagierte wütend auf Äußerungen von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Dieser hatte bei einer Pressekonferenz am Rande der UNO-Generaldebatte das Vorgehen von Israel im Westjordanland und im Gazastreifen kritisiert.
Er sprach von "Verletzungen des Völkerrechts" und "Kriegsverbrechen". Damit bezog sich das Staatsoberhaupt auf die erzwungenen Absiedlungen von im Westjordanland ansässigen Palästinensern. Die Antwort aus Jerusalem fiel scharf aus. In einem Posting auf X meldete sich am Dienstag Israels Außenminister Gideon Sa‘ar zu Wort.
Ihm zufolge solle sich Van der Bellen "schämen". Dabei brachte der israelische Minister auch die Vergangenheit von Österreich in der NS-Zeit ins Spiel. "Jemand, der ein Land vertritt, dessen Vergangenheit mit den schwersten Verbrechen gegen die Menschlichkeit und das jüdische Volk verbunden ist, wagt es, eine falsche Anschuldigung gegen den jüdischen Staat zu erheben", warf Sa‘ar dem Bundespräsidenten an den Kopf.
Zudem sagte er, dass sein Land noch immer gegen "Dschihadisten" kämpfe, die es vernichten wollen. Zugleich betonte der israelische Außenminister, dass man keinen Österreicher dafür verantwortlich mache, "was für einen Unsinn ihr Präsident von sich gibt".
Neben Van der Bellen äußerte sich auch der französische Präsident Emmanuel Macron bei der UN-Vollversammlung kritisch über die Lage im Westjordanland, berichtet die "Krone". Als Reaktion sprach das Büro von Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu von einer "grotesken Absurdität", die "schockierend" sei.
Laut der Darstellung von Netanyahus Büro würden "Hamas-Terroristen" fast täglich Anschläge auf Juden verüben und hätten schon unzählige israelische Zivilisten im Westjordanland getötet.
Seit dem Sechstagekrieg 1967 hält Israel das Westjordanland besetzt. In dem Gebiet leben rund drei Millionen Palästinenser und über 500.000 israelische Siedler, deren Siedlungen laut Völkerrecht illegal sind.
Seit dem Überfall vom 7. Oktober 2023 durch die Hamas auf Israel, wo 1.221 Menschen getötet und 251 Opfer als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden, haben die Gewalteskalationen im Westjordanland deutlich zugenommen.