Wohl keine Probleme in Wien

Sommer gerettet? Die AUA gibt Kerosin-Entwarnung

Die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines erwartet im Sommer am Hub Wien keine Einschränkungen bei der Treibstoffversorgung – trotz Nahost-Krise.
Team Wirtschaft
06.05.2026, 10:44
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Austrian Airlines geht mit gemischten Zahlen, aber viel Zuversicht in die Sommermonate. Das erste Quartal 2026 fiel wie erwartet saisonal schwach aus. Unterm Strich startete die Airline mit einem Minus von 112 Millionen Euro ins Jahr und bewegte sich damit auf dem Niveau des Vorjahres. Obwohl Umsatz und Auslastung der Flugzeuge im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen sind, blieb die Airline damit hinter ihrer eigenen Jahresplanung zurück.

Harter Winter & Iran-Krieg zeigen Folgen

AUA-Chefin Annette Mann nennt vor allem zwei Gründe: heftige Winterereignisse mit Blitzeis und starkem Schneefall in Europa sowie die Folgen des Iran-Krieges. "Neben viel Eis und Schnee zum Jahresanfang haben vor allem die Auswirkungen des Iran-Krieges unser erstes Quartal geprägt. Durch die Streichung von zahlreichen Nahost-Verbindungen und deutlich gestiegene Kosten blieb das Ergebnis hinter unserer Jahresplanung. Trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen sind wir aber für die Sommermonate sehr gut vorbereitet und erwarten einen starken Europa-Reiseverkehr", so Mann.

Wohl keine Kerosin-Knappheit in Wien

Extrem hart trifft die Krise im Nahen und Mittleren Osten die Branche bei den Kerosinpreisen. Verbindungen nach Tel Aviv, Amman, Erbil, Teheran und Dubai sind weiterhin ausgesetzt. Für Wien gibt es dennoch Entwarnung: Über die Sommermonate werden am Hub Wien bisher keine Einschränkungen bei der Treibstoffversorgung erwartet. Die Lage werde aber eng beobachtet, um auf mögliche lokale Kerosin-Engpässe an Zieldestinationen vorbereitet zu sein.

Zu Beginn des Kriegs zeigte Austrian Airlines auch im Flugbetrieb Flexibilität. Innerhalb weniger Tage wurden im März rund 20 zusätzliche Flüge zwischen Wien und Bangkok angeboten, um in Asien gestrandete Passagiere heimzubringen. Zudem führte die Airline im Auftrag des Außenministeriums Repatriierungsflüge durch, damit Österreicher nach Ausbruch der Krise im Nahen Osten rasch und sicher zurückkehren konnten.

Erneuerung der Flugzeugflotte läuft

Parallel läuft die Flottenerneuerung weiter. Anfang April kam die dritte Boeing 787-9 zur Austrian-Flotte. Der Dreamliner mit der österreichischen Kennung OE-LPG wird derzeit noch in Kabine und Lackierung fertiggestellt und soll ab 1. Juni auf der Langstrecke abheben. Heuer werden zwei weitere Dreamliner erwartet. Bis Ende des Winterflugplans 2028/2029 soll die gesamte AUA-Langstreckenflotte aus zwölf Boeing 787-9 bestehen.

Umbau auch auf Kurz- und Mittelstrecke

Auch auf Kurz- und Mittelstrecken wird umgebaut. Statt 17 Embraer-Maschinen erhält die AUA sechs zusätzliche fabrikneue Airbus A320neo mit jeweils 180 Sitzplätzen. Die erste dieser Maschinen wird im Sommer 2026 erwartet. Die Airbus-Flotte wächst damit auf 46 Flugzeuge.

Maschinen werden mit Starlink-Internet aufgerüstet

Unter dem Strich modernisiert und vereinfacht die AUA ihre gesamte Flotte. Statt fünf Teilflotten – Embraer, Airbus, Boeing 767, Boeing 777 und Boeing 787-9 – werden künftig zwei hochmoderne Flugzeugmuster betrieben: die Airbus A320-Familie und die Boeing 787-9 Dreamliner. Zusätzlich werden alle Flugzeuge der Lufthansa Group und damit auch die der AUA in den nächsten Jahren mit einem leistungsstarken Starlink-Highspeed-Internet aufgerüstet.

Österreich als Standort viel zu teuer

Für weiteres Wachstum sieht Austrian Airlines vor allem bei einer Ausweitung der Langstreckenflotte in Wien Potenzial. Laut einer Studie würden eine Million zusätzliche Passagiere am Flughafen Wien 75 Millionen Euro Nettowertschöpfung pro Jahr und bis zu 950 zusätzliche Arbeitsplätze bringen. Ein weiterer Dreamliner bei Austrian Airlines würde demnach 350 weit überdurchschnittlich bezahlte Jobs schaffen.

Aktuell laufen Verhandlungen mit der Politik

Seit Herbst laufen dazu Gespräche mit der Politik und dem Flughafen Wien. Es geht um eine langfristige Luftfahrtstrategie inklusive Überprüfung lokaler Kostenstrukturen, Synergien, Effizienzpotenziale, Infrastruktur und darum, den Hub Wien für Kunden attraktiver zu machen.

Wirtschaftlicher Betrieb wegen hoher Kosten unmöglich

Mann sieht hier Handlungsbedarf: Trotz operativer Spitzenleistung und hoher Flugzeugproduktivität liege die AUA-Marge bisher rund 50 Prozent unter dem europäischen Schnitt, während die Standortkosten zu den höchsten in Europa zählen. Die zuletzt erzielte Marge von etwa drei Prozent reiche nicht aus, um im internationalen Wettbewerb langfristig zu bestehen und Investitionen wie Flottenerneuerung oder Wachstum eigenständig zu finanzieren.

Operativ läuft es für die Airline deutlich besser. Im ersten Quartal landete Austrian Airlines auf Platz zwei im europäischen Pünktlichkeits-Ranking, im März sogar auf Platz eins. Auch die Kundenzufriedenheit stieg im Vergleich zum Vorjahr erneut.

Sieben neue Reiseziele im Sommer

Für den Reisesommer plant Austrian Airlines sieben neue Destinationen: Ponta Delgada (Azoren), Ohrid (Nordmazedonien), Bergen (Norwegen), Mytilini (Lesbos), Bastia (Korsika) sowie Bilbao und Alicante (beide Spanien).

Freigewordene Kapazitäten durch die ausgesetzten Nahost-Verbindungen werden in Europa eingesetzt, vor allem zu Ferienzielen wie Palma de Mallorca, Dubrovnik, Barcelona, Nizza und Málaga. Auch Alicante und Bilbao werden zusätzlich verstärkt. Insgesamt bietet die AUA im Sommer rund 800 zusätzliche Flüge an.

AUA-Reisehelfer am Flughafen Wien

Am Flughafen Wien sind in der Hauptreisezeit wieder Austrian Travel Assistants im Einsatz. Sie helfen beim Check-in, im Transitbereich und beim Boarding, begleiten allein reisende Kinder und unterstützen bei der Kofferermittlung. Insgesamt gilt: Der Sommer soll nicht am Kerosin scheitern – zumindest nicht in Wien.

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