Zwei gefährliche Zeitfenster

Sonnenstürme – Wann die nächsten Eruptionen kommen

Forscher haben erstmals Zeitfenster für extreme Sonnenstürme berechnet. Ein besonders riskanter Zeitraum läuft bereits.
Bernd Watzka
25.03.2026, 06:01
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Sonnenstürme galten bisher als kaum berechenbar. Jetzt gelang Wissenschaftlern aus Mexiko ein Durchbruch: Ein Forscher-Team konnte Zeitfenster identifizieren, in denen besonders starke Eruptionen ("Superflares") auf der Sonne wahrscheinlicher sind, heißt es in der neuen Studie.

Zyklen der Sonnenaktivität entdeckt

Für die Studie wurden Satellitendaten aus fünf Jahrzehnten ausgewertet. Das Ergebnis: "Superflares" treten nicht zufällig auf. Vielmehr bilden sich auf der Sonne bestimmte Zonen, in denen sich magnetische Energie auflädt - genau dort kommt es gehäuft zu gewaltigen Ausbrüchen.

Zusätzlich entdeckten die Forscher zwei Zyklen in der Sonnenaktivität: einen mit rund 1,7 Jahren und einen mit etwa sieben Jahren Dauer. Treffen diese Muster zusammen, steigt das Risiko für extreme Sonnenstürme deutlich.

Schmetterlingsdiagramm der Photosphäre, der oberen Chromosphäre und der unteren Korona zwischen 1975 und 2025.
VM Velasco Herrera et al.

Zwei gefährliche Phasen

Für den aktuellen Sonnenzyklus sehen die Experten gleich zwei gefährliche Phasen. Die erste läuft bereits und dauert noch bis Sommer 2026 - vorwiegend auf der südlichen Hemisphäre. Eine weitere kritische Phase wird für Anfang bis Mitte 2027 erwartet und zwar auf der nördlichen Hemisphäre, wo auch Europa liegt.

Belege, dass die Prognosen stimmen: Seit Ende 2025 wurden Polarlichter ungewöhnlich weit südlich gesichtet. Anfang Februar 2026 registrierten Messgeräte zudem eine extrem starke Eruption der Klasse X8,1.

Satelliten und Navigationssysteme in Gefahr

Die Folgen solcher "Superflare"-Ereignisse können massiv sein: Starke Sonnenstürme können Satelliten beschädigen, Navigationssysteme stören und im Extremfall großflächige Stromausfälle auslösen. Auch für Astronauten und Flugverkehr in Polnähe besteht erhöhte Strahlengefahr.

Dennoch: Die neuen Erkenntnisse könnten helfen, dass sich Forschungseinrichtungen und Staaten künftig noch besser vorbereiten - etwa indem Satelliten rechtzeitig geschützt oder Missionen angepasst werden.

Knapp vierzig "Superflares" seit 1975

Sonneneruptionen werden nach ihrer Stärke in Klassen eingeteilt: von schwach (B, C) über mittel (M) bis zur stärksten Kategorie X. Als "Superflare" - wissenschaftlich "S-Klasse-Flare" - gilt eine Eruption, die die Intensität X10 oder mehr erreicht.

Der Auswurf vom 2. Februar 2026 hatte eine Stärke von X8,1 und kam der "Superflare"-Schwelle damit sehr nahe. Echte "Superflares" sind vergleichsweise selten: Zwischen 1975 und 2025 dokumentierten Satelliten weltweit nur 37 solcher Extremereignisse.

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