Niederösterreich

SP-Ortschef bekam für Geister-Hotel 20.500 € Förderung

Alexander Vojta geht 2024 in Pension, ein Jahr vor der Wahl. Für die Pension hat er sich selbstständig gemacht - mit einem streng geheimen Hotel.

Alexander Vojta, Bürgermeister von Gerasdorf, übergibt das Amt mit Anfang 2024.
Alexander Vojta, Bürgermeister von Gerasdorf, übergibt das Amt mit Anfang 2024.
Stadtgemeinde Gerasdorf

Der Gerasdorfer Langzeit-Bürgermeister Alexander Vojta (SPÖ) wird im Laufe des Jänner 2024 sein Amt zurücklegen und in Bürgermeister-Pension gehen - ziemlich genau ein Jahr vor der Gemeinderatswahl 2025. Von den SPÖ-Gremien wurde Gemeinderat Hans-Jürgen Peitzmeier einstimmig als Nachfolger nominiert.

Seit Mai 2020 Unternehmer

Doch die Aufarbeitung der Corona-Förderungen könnte nun den Bürgermeister von Gerasdorf in Erklärungsnot bringen (es gilt die Unschuldsvermutung). Alexander Vojta soll Ende Mai 2020 eine ambitionierte Karriere als Einzelunternehmer gestartet haben. Vier Wochen nach dem ersten COVID-Lockdown beantragte Vojta einen Gewerbeschein für den Betrieb einer Herberge.

1/5
Gehe zur Galerie
    Alexander Vojta, Bürgermeister von Gerasdorf.
    Alexander Vojta, Bürgermeister von Gerasdorf.
    Stadtgemeinde Gerasdorf

    Als lokaler Patriot wählte er eine Immobilie in "Gerasdorf bei Wien". Für sein Firmenimperium mit 67 Quadratmetern (Grundfläche) wählte der rote Bürgermeister, überraschenderweise und womöglich aus kosmopolitischen Ambitionen, das Haus seiner Lebensgefährtin in Kapellerfeld, obwohl er das tatsächliche Hotel in Wien führen soll.

    Null Werbung

    Und der Andrang auf die Herberge bzw. Hotel muss wohl am Papier 2020 beeindruckend gewesen sein. Denn im Folgejahr, also 2021, staubte Vojta laut dem Transparenzportal des Finanzministeriums (siehe Bilderserie) eine Förderung von 20.506,67 Euro ab. Der Bürgermeister setzte bei der Vermarktung seiner Herberge rein auf Bekanntheit. Er verzichtete daher auf ein Firmenprofil auf Google, Facebook oder Twitter. Aber auch auf Online-Portalen, wie Airbnb oder Booking, ist die Herberge nach wie vor nicht auffindbar.

    Post-It bei Grundbuch-Eintrag

    Laut dem Grundbuch des Justizministeriums liegt das Haus und die Herberge eben in der Katastralgemeinde Kapellerfeld. Seltsam erscheint jedoch ein Post-It beim Antrag des Bürgermeisters für seinen Gewerbeschein. Wie dem öffentlich zugänglichen Dokument zu entnehmen ist, bestand Alexander Vojta mit einen Post-it "Bitte so eintragen" (siehe Bilderserie) darauf, den Ort mit „Gerasdorf bei Wien“ eintragen zu lassen. Somit hat sich der Bürgermeister von Gerasdorf selbst gegen die offizielle Bezeichnung ausgesprochen. Warum die Justizbeamtin diesem Wunsch gefolgt ist, ist unklar.

    Über die Motive von Vojta lässt sich freilich viel spekulieren. Laut einer Immobilienmaklerin, die anonym bleiben möchte, soll die gezielte Falscheintragung neugierige Nasen fernhalten.

    Das sagt Ortschef

    Alexander Vojta wurde am Freitag von "Heute" schriftlich dazu befragt, am Samstag nahm der Gerasdorfer Bürgermeister per Telefon ausführlich Stellung: "Warum ist das überhaupt interessant? Ich habe als Firmenzentrale mein Haus in Kapellerfeld gewählt." Dass das Haus seiner Lebensgefährtin gehöre (laut Grundbuch, siehe Bilderserie) stimme so nicht ganz: "Ich bin dort mit Hauptwohnsitz gemeldet." Und er habe im Haus in Kapellerfeld sein Büro und das Mini-Hotel betreibe er halt in Wien. Wo genau und welchen Namen das Hotel bzw. Etablissement trägt, wollte der SP-Ortschef nicht verraten. "Ich habe mir etwas für die Zeit nach meiner Amtszeit, also für die Pension, geschaffen und aufgebaut. Die besagten Förderungen habe ich erhalten und dabei ist alles legal und korrekt gelaufen. Dass mich da jemand vor meiner Pension noch anpatzen will, ist halt schade, aber es ist so."

    Gerasdorfs Bürgermeister Vojta hat bereits 2019 für regionale Schlagzeilen gesorgt. Vojta hatte einen 648 Quadratmeter großen Baugrund in Kapellerfeld zum Schnäppchenpreis von 154 Euro pro Quadratmeter von einem privaten Verkäufer erworben.

    Übrigens: Unrechtmäßig bezogene Hilfen können empfindliche Strafen nach sich ziehen, wenn sie nicht rechtzeitig korrigiert werden. Die Möglichkeit für Korrekturen eines Coronahilfen-Antrags besteht auf der Webseite der COFAG. Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie staatliche Corona-Hilfen in Höhe von 47 Milliarden Euro ausgezahlt.

    An der Unterhaltung teilnehmen