In den Sommermonaten wächst die Bevölkerung Benidorms, einer Stadt an der Costa Blanca von 77.000 auf das Fünffache an. Nach den schwierigen Jahren während der Pandemie erlebt Spanien eine beispiellose Erholung im Tourismus. Im Jahr 2025 reisten insgesamt 97 Millionen ausländische Gäste ins Land – ein neuer Rekord.
Spanien könnte schon im kommenden Jahr die Marke von 100 Millionen Besucherinnen und Besuchern überschreiten und damit Frankreich als beliebtestes Touristenziel der Welt ablösen. Die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten machen das Land für viele Urlauberinnen und Urlauber zu einer sicheren Alternative.
Die jüngsten militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten sowie in Teilen des östlichen Mittelmeers haben dazu geführt, dass Spanien als stabil und attraktiv wahrgenommen wird. Viele Reisende, die sonst nach Dubai, in die Türkei oder nach Zypern gefahren wären, haben sich dieses Jahr für Spanien entschieden. Im April 2025 zählte das Land 9,1 Millionen internationale Gäste – ein Plus von 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Gleichzeitig verzeichnete etwa der Flughafen in Dubai im März einen starken Rückgang der Passagierzahlen. Der Tourismus macht mittlerweile 13 Prozent der spanischen Wirtschaftsleistung aus und trägt maßgeblich zum Wirtschaftswachstum bei.
Doch der Boom hat auch Schattenseiten: In vielen Städten wächst der Unmut der Bevölkerung über die Folgen des Massentourismus. Vor allem das steigende Mietniveau, die hohe Belastung der Infrastruktur und Umweltprobleme sorgen für Proteste. Laut einer europaweiten Umfrage von YouGov im September 2024 sehen 28 Prozent der Spanier den ausländischen Tourismus negativ, der höchste Wert in Europa.
Aktivistengruppen wie der Sindicat de Llogateres kritisieren insbesondere die Verdrängung von Einheimischen durch Ferienwohnungen. "Wenn Vermieter ihre Mietverträge erneuern, orientieren sie sich nicht mehr an lokalen Gehältern, sondern an den viel höheren Einkommen der Touristen", erklärt Jordi Vila von der Mietervereinigung.
Die Regierung und lokale Behörden reagieren mit strengeren Vorschriften. So will Barcelona bis 2028 sämtliche rund 10.000 Kurzzeitvermietungen verbieten und die Tourismusabgabe für Kreuzfahrtgäste verdoppeln. Auch andere Städte beschränken die Vergabe neuer Lizenzen für Ferienwohnungen.
Während Aktivisten weitere Maßnahmen fordern, warnt die Branche vor negativen Folgen für Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit. Noch sucht man in Spanien nach Lösungen, wie sich Tourismus und Lebensqualität besser in Einklang bringen lassen.