Nur wenige Tage vor seinem gewaltsamen Tod sprach er noch über seine Angst um die eigene Sicherheit. Jetzt kommen neue Details zum Mord an dem deutschen Schönheitschirurgen Dr. Alexander A. (57) ans Licht. Der Mediziner, der in Innsbruck studiert und auch in Salzburg gearbeitet hatte, wurde am 7. Oktober in seiner Klinik im spanischen Marbella erschossen.
Besonders erschütternd: Der Arzt hatte bereits Monate zuvor wegen Morddrohungen die Polizei eingeschaltet. Ob diese mit seinem Tod zusammenhängen, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Am 7. Oktober gegen 18 Uhr betrat ein schwarz gekleideter, maskierter Mann mit Helm die Cirumed-Klinik in Marbella.
Der Unbekannte begab sich in das Büro des Chirurgen und feuerte laut einem Bericht der britischen "Daily Mail" vier Schüsse auf ihn ab. Dabei soll der Täter dem Arzt unter anderem aus unmittelbarer Nähe ins Gesicht geschossen haben.
Alexander A. erlitt mehrere Schussverletzungen und starb noch am Tatort. Die Bluttat ereignete sich vor den Augen von Patienten, Mitarbeitern und der Ehefrau des Chirurgen, Jeannine.
Nach den tödlichen Schüssen gelang dem Angreifer zunächst die Flucht. Er entfernte sich auf einem Yamaha-Maxi-Scooter und fuhr in Richtung Bello Horizonte. Dort wechselte er auf einen Audi.
Mithilfe von Überwachungsvideos und automatischer Kennzeichenerfassung konnten die Ermittler die Spur des Fahrzeugs verfolgen.
Sie führte zu einer rund 40 Kilometer entfernten Ferienunterkunft in Benalmádena. Dort nahmen Polizisten einen 18-jährigen Schweden fest, der sich unter einem falschen Namen eingemietet hatte.
Der junge Mann befindet sich in Untersuchungshaft, bestreitet jedoch, den Arzt getötet zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Nach dem Fahrer des Fluchtautos wird weiterhin gesucht.
Im Zuge der Ermittlungen beschäftigen sich die Behörden auch mit früheren Konflikten des Schönheitschirurgen.
Bereits im April hatte Alexander A. Morddrohungen durch einen unzufriedenen Kunden bei der Polizei gemeldet.
Zuletzt rückte laut Medienberichten auch ein Streit mit einer wohlhabenden arabischen Kundin in den Fokus. Die Frau hatte die Rückerstattung einer Anzahlung von rund 20.000 Euro verlangt.
Der Chirurg soll die Rückzahlung abgelehnt und argumentiert haben, dass es sich um die "Standardgebühren" für die Vorbereitung einer geplanten Po-Vergrößerung, eines sogenannten "Brazilian Butt Lift", handle.
Die Kundin und ihr Ehemann sollen den Arzt daraufhin über mehrere Monate bedroht haben, bevor sie Spanien verließen.
Ob diese Auseinandersetzung in Verbindung mit dem Mord steht, ist nicht geklärt.
Auch andere Fälle aus dem beruflichen Umfeld des Mediziners werden in Medienberichten thematisiert.
So soll eine kolumbianische Patientin nach einer Behandlung gestorben sein. Berichtet wurde in diesem Zusammenhang auch über deren Familie.
Darüber hinaus hatte der Chirurg bereits früher rechtliche Auseinandersetzungen. Die britische Ärztekammer "General Medical Council" verhängte 2012 Auflagen gegen ihn. Vier Jahre später gab er seine britische Berufszulassung zurück.
In einem Verfahren setzte sich Alexander A. mit einer Verleumdungsklage gegen eine Influencerin durch. In einem anderen Fall musste er wegen eines Behandlungsfehlers eine Zahlung leisten.
Besonders brisant sind nun die Schilderungen über die letzten Tage des 57-Jährigen.
Bei einer Konferenz in Brüssel soll Alexander A. nur wenige Tage vor seinem Tod einem Kollegen anvertraut haben, dass er sich Sorgen um seine Sicherheit mache. Sowohl sein Wohnhaus in Majadilla del Muerto als auch seine Klinik waren mit Überwachungskameras ausgestattet.
Trotz der offenbar bestehenden Sorgen ging der Chirurg seiner Arbeit weiter nach. Noch wenige Stunden vor seinem Tod besprach er mit einem Kollegen aus Pakistan Pläne für eine bevorstehende Konferenz in Karachi.
Alexander A. hatte einen internationalen Ruf als Schönheitschirurg. Seine medizinische Ausbildung führte ihn unter anderem nach Österreich und Südafrika.
Er studierte in Innsbruck und war auch in Salzburg tätig. Zu seinem Kundenkreis zählten laut Berichten Prominente sowie Angehörige der katalanischen und qatarischen Königsfamilie.
Die spanische Mordkommission UDEV ermittelt weiterhin zu den Hintergründen der Tat. Noch ist offen, wer den Mord in Auftrag gegeben haben könnte oder welches Motiv hinter den tödlichen Schüssen steckt.