Stefan wollte nach einem Schicksalsschlag neu anfangen. Für einen Job zog er vom Waldviertel nach Oberösterreich. Seit Anfang Juli arbeitet er dort in einem bekannten Geschäft, doch schon in wenigen Tagen könnte er auf der Straße stehen.
Besonders schmerzt seinen Vater Wolfgang S. (Name der Redaktion bekannt), dass Stefan nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter im Jahr 2017 endlich wieder nach vorne blicken wollte. "So traurig, wie schwer es ihm gemacht wird."
Noch wohnt der 24-Jährige bei einem Freund, doch diese Möglichkeit endet bald. Eine eigene Wohnung bekommt er nicht. Der Grund: Vermietern fehlt eine wichtige Voraussetzung.
"Er bekommt keinen Wohnungsvertrag. Grundlage ist immer eine Anstellung, die schon länger als ein Jahr dauert, oder drei Lohnzettel. Er ist leider erst im ersten Monat", erzählt sein Vater.
Bitter: Stefan hat derzeit nur einen Teilzeitvertrag über 24 Stunden pro Woche. "Wie soll man da was zahlen?", fragt sein Vater. Die Verzweiflung ist groß. "Das ist eine Wahnsinnsbürokratie. Es ist eine Katastrophe. Ich weiß nicht mehr weiter."
Juristin Sabine Fürst, Wohnrechtsexpertin der Mietervereinigung Wien erklärt die Regeln: "Der Vermieter kann sich seinen Vertragspartner aussuchen. Deshalb ist es leider üblich, dass Mieter Einkommensnachweise vorlegen müssen – etwa die letzten drei Lohnzettel."
Eine Alternative wäre, laut Expertin, wenn jemand für den Mieter bürgen würde, oder "eine höhere Kaution von mehr als drei Monatsmieten als zusätzliche Sicherheit."