Schock an den Zapfsäulen

Spritpreis "wird schnell kritisch"! Ökonom warnt im ORF

Steigende Spritpreise treiben die Inflation in Österreich an. Gabriel Felbermayr sieht knapp oberhalb von 2 Euro pro Liter Diesel eine kritische Zone.
Newsdesk Heute
09.03.2026, 15:10
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Den Preis des US-israelischen Krieges gegen den Iran zahlen auch die Österreicher: An den Zapfsäulen sind die Spritpreise bereits ordentlich nach oben geschossen. Normaler Diesel knackte bereits am Wochenende die 2-Euro-Marke – nicht bei einer Autobahn-Tankstelle, sondern mitten in der Wiener Donaustadt.

Der Anstieg ist in ganz Österreich enorm. Super 95 kostet im bundesweiten Schnitt inzwischen schon 1,689 Euro pro Liter. Bei Diesel ist es noch schlimmer, da ist der Medianpreis am Sonntag auf 1,894 Euro pro Liter hochgeschossen.

"Der Preisschock ist schon da", hielt Gabriel Felbermayr am Sonntag im ORF-"Gespräch" unmissverständlich fest. Es betrifft aber nicht nur Erdöl, sondern auch Gas hat sich im Preis verdoppelt. "Das wird zwangsläufig auch an den Tankstellen spürbar sein und ist es auch schon."

Die Erinnerungen an die Teuerungskrise in Folge von Wladimir Putins Angriffskriegs gegen die Ukraine sind noch frisch im Gedächtnis der heimischen Autofahrer. Viele fragen sich jetzt: Wie weit können die Spritpreise noch nach oben gehen?

Damals sei vor allem die Lage auf dem Gasmarkt dramatisch gewesen, erinnert der WIFO-Chef und gibt Entwarnung. Die Großhandelspreise sind im Sommer 2022 auf 300 Euro die Megawattstunde (MWh) gestiegen: "Das war eine Entkopplung von den Fundamentalwerten, das war eine spekulative Blase. Man sollte man auf keinen Fall wieder zulassen, dass die Gaspreise so davon galoppieren", schildert er. Da sieht er Markteingriffe durchaus als berechtigt an.

Aufgrund der geänderten Ausgangslage in Europa glaubt er nicht daran, dass uns dieses Horror-Szenario jetzt wieder droht: "Das schließe ich aus, dass das dieses Mal passiert."

Bedeutungsschwangerer Nachsatz: "Beim Erdöl könnte es aber durchaus ähnlich sein." Ein Fünftel der weltweiten Produktion ist durch die Kampfhandlungen und ihre Folgen beeinträchtigt. "Wenn das dauerhaft ist, dann können sich die Preise verdoppeln. Dann wären wir nicht bei 90 wie aktuell, sondern bei 120 Dollar pro Fass. Das hieße, dass noch ordentlich was dazukommen könnte, auch bei den Preisen an der Zapfsäule".

"Es wird relativ schnell kritisch"

Im benachbarten Deutschland – Felbermayr berät seit Kurzem als Wirtschaftsweiser auch die deutsche Bundesregierung – sind bereits Diskussionen über einen "Tankrabatt" ausgebrochen. Auch in Österreich werden Stimmen laut, die einen staatlichen Eingriff in die Preise fordern. Die schwarz-rot-pinke Bundesregierung behält sich solche Maßnahmen vor, sagt aber (noch) nicht, wann.

Für den Wirtschaftsexperten ist es, trotz bereits spürbarer Teuerung, noch zu früh für solche Markteingriffe: "Es müssten die Preise noch einmal deutlich stärker steigen, als das schon der Fall ist, damit das gerechtfertigt wäre." Aus seiner Sicht sind 2 Euro pro Liter Diesel "noch nicht genug" – darüber werde es aber "relativ schnell kritisch".

"Der Spritpreis ist ein sehr politischer Preis und auch für die Inflationsentwicklung insgesamt relevant. Wenn wir einiges gelernt haben 2022/2023, dann ist es, dass wir das Durchrauschen-Lassen der Inflation nicht wieder machen sollten", so Felbermayr: "Da wird man scharf nachdenken müssen."

Ungarn, Deutschland als Negativbeispiele

Über das Wie könne man aber diskutieren: "Es ist gar nicht einfach, wenn man das gut machen möchte." Zwei Negativ-Beispiele finden sich direkt in unserer Nachbarschaft. So sei Viktor Orbán mit seinem Spritpreisdeckel eingefahren: "In Ungarn hat man an den Zapfsäulen eingegriffen und das Ergebnis war, dass es lange Warteschlangen gegeben hat. Das hat nicht funktioniert."

Und auch der "Tankrabatt" in Form einer Mineralölsteuer-Senkung in Deutschland sei so belastend für das Budget gewesen, dass man ihn nach nur drei Monaten wieder abschaffen musste. Zwar hätten die Konzerne die Preissenkung anfangs noch weitergegeben, doch etwas später schon nicht mehr – und dafür mächtig abgecasht, warnt der Ökonom.

Sowohl für Felbermayr als auch IHS-Direktor Holger Bonin ist für die Preisentwicklung entscheidend, wie lange US-israelische Iran-Krieg noch andauert. "Es ist vieles denkbar, auch, dass es viel schneller vorübergeht. Man muss sich auf Vieles einstellen", so Bonin in der ZIB2 Freitagnacht. "Das heißt aber auch: Abwarten, damit man nicht zu früh sein Pulver verschießt."

Die Regierung prüft derzeit die Preissteigerungen an den Tankstellen. Von den Autofahrerklubs ÖAMTC und ARBÖ sind vergangene Woche bereits Forderungen nach Preiseingriffen laut geworden.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 09.03.2026, 16:00, 09.03.2026, 15:10
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