Die Fruchtbarkeit von Männern gerät weltweit massiv unter Druck. Davor warnen Forscher in einer Übersichtsarbeit im Fachjournal "Nature Reviews Earth & Environment". Demnach gefährden Umweltgifte und Klimastress gemeinsam die Fortpflanzungsfähigkeit von Menschen und Tieren.
Für die Analyse werteten Wissenschaftler knapp 180 Studien aus. Das alarmierende Ergebnis: Die weltweite Spermienkonzentration bei Männern ist seit Anfang der 1970er-Jahre um rund die Hälfte (51 Prozent) gesunken. Gleichzeitig beobachten Forscher bei vielen Tierarten einen Rückgang des Fortpflanzungserfolgs.
Die Autoren sprachen bereits von einer "versteckten Fruchtbarkeitskrise". Besonders problematisch sei die Kombination mehrerer Belastungen: Im Fokus stehen synthetische Chemikalien wie Pestizide, Kunststoffe, PFAS, Bisphenole und Phthalate. Diese Stoffe können das Hormonsystem stören und dadurch die Fortpflanzung beeinträchtigen.
Zusätzlich verschärft der Klimawandel laut der Studie die Auswirkungen. Hitzewellen, steigende Temperaturen und Sauerstoffmangel in Gewässern erhöhen den Stress für Organismen. "Ökosystem und menschliche Gesundheit sind eng miteinander verflochten", erklärte die Hauptautorin Susanne Brander von der Oregon State University.
Besonders betroffen sind laut Forschern auch Tiere in den Meeren. Durch die Erwärmung entstehen zunehmend sauerstoffarme "tote Zonen", die den Fortpflanzungserfolg vieler Arten massiv beeinträchtigen. Auch bei Fischen, Amphibien und Reptilien können steigende Temperaturen die Geschlechtsentwicklung verändern.
Forscher erinnern zudem an frühere Umweltkatastrophen. So führte das inzwischen weitgehend verbotene Insektizid DDT einst zu dünneren Vogeleischalen und sinkender Fruchtbarkeit bei Meeressäugern. PFAS - oft als "ewige Chemikalien" bezeichnet - stehen seit Jahren im Verdacht, die menschliche Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen.
Besonders besorgniserregend ist laut den Forschern Mikro- und Nanoplastik. Diese winzigen Partikel wurden bereits in Fortpflanzungsorganen verschiedener Arten nachgewiesen. Sie könnten Spermien, Eizellen und Embryonen schädigen.
Die Wissenschaftler warnen davor, dass sich Belastungen gegenseitig verstärken könnten. Dadurch drohe nicht nur ein weiterer Rückgang der Artenvielfalt, sondern langfristig auch ein zunehmendes Problem für die menschliche Fortpflanzung.