Der Hannovermarkt in der Brigittenau steht im Zentrum einer hitzigen Debatte. Während die Neos den Standort modernisieren und für neue Zielgruppen attraktiver machen wollen, warnt die KPÖ vor einer "Zerstörung des Marktes". Besonders leistbare Lebensmittel stünden ihrer Ansicht nach auf der Kippe.
Im Zuge der "Langen Nacht der Märkte" präsentierten die Neos ihre Vorstellungen: moderne Glashäuser, neue Gastro-Konzepte und ein anderes Angebot. In den Augen der Kritiker droht dadurch eine Verdrängung von günstigen Obst-, Gemüse- und Fleischständen.
"Die Bevölkerung will einen echten Markt zum Einkaufen, keinen toten und unleistbaren Markt", betonte KPÖ-Klubvorsitzender Matthias Kaltenböck. Für die Partei sei klar, dass mit den Neos-Umbaumaßnahmen das Ende des traditionellen Hannovermarkts eingeläutet werde.
Besonders kritisch sieht die KPÖ auch Pläne, den Parkplatz am Markt für eine Neugestaltung zu opfern. Viele Standler wünschen sich stattdessen mehr Stellplätze. "Das würde den Betrieb erschweren und Kunden abschrecken", so die Befürchtung.
Die Neos wollen den Umbau laut KPÖ mit Unterstützung der SPÖ durchsetzen. Dazu sollen Mittel auf Landesebene freigemacht werden. Pikant: Erst 2020 wurde der Markt für 1,35 Millionen Euro saniert. Auch SPÖ-Bezirksvorsteherin Christine Dubravac-Widholm zeigte sich offen für die Pläne. Bei Standlern und Besuchern stößt das allerdings auf Skepsis. Sie fürchten, dass die Bauarbeiten den Betrieb massiv beeinträchtigen könnten.
Laut KPÖ geht es nicht nur um den Markt selbst. "Wir wissen von anderen Märkten, dass nach Umbauten nicht nur die Preise steigen, sondern auch die Mieten in der Umgebung anziehen", so Kaltenböck. Für viele könnte das langfristig existenzbedrohend sein.
Die Partei warnt vor einer Entwicklung hin zu reinen Gourmetstandorten. Märkte wie der Meidlinger Markt oder der Karmelitermarkt seien Beispiele, wo leistbare Angebote verschwunden seien.
Von einer Verdrängung könne keine Rede sein, betont Stadträtin Bettina Emmerling (NEOS): "Ein Markt bedeutet immer Vielfalt und eng damit verbunden ist auch eine Vielfalt an Angeboten – somit ist für alle etwas dabei. Es geht nichts verloren, ganz im Gegenteil."
Beim Hannovermarkt werde aktuell geprüft, ob und wie eine Weiterentwicklung über den reinen Einkaufsort hinaus möglich wäre. Auch während möglicher Bauarbeiten seien Standler und Kundschaft bestmöglich unterstützt, betont Emmerling: "Hier haben wir bereits viel Erfahrung." Dass der Markt 2020 saniert wurde, sei kein Widerspruch: "Verbesserungen werden laufend für alle Märkte evaluiert – so auch beim Hannovermarkt."