In Freistadt (OÖ) wird derzeit heftig über die Zukunft eines muslimischen Gebetshauses diskutiert. Der Verein Alif plant einen Neubau am Standort des ehemaligen Konsumgebäudes, in dem sich seit mehr als zwei Jahrzehnten eine Moschee befindet. Offiziell sind nur wenige Details bekannt – genau das sorgt nun für viel Gesprächsstoff in der Mühlviertler Braustadt.
Denn während die Stadtpolitik bestätigt, dass ein Neubau grundsätzlich geplant ist, kursieren gleichzeitig Gerüchte über deutlich größere Dimensionen des Projekts. Einige Bürger befürchten, dass nicht nur ein neues Gebäude entstehen könnte, sondern eine große Moschee mit einem minarett-ähnlichen Turm – berichtet die "Kronen Zeitung".
"Die Gerüchteküche brodelt ordentlich", sagt Stadtrat Rainer Widmann von der Liste WIFF. Man habe deshalb im Gemeinderat eine Anfrage gestellt, um Klarheit über das Vorhaben zu bekommen. Schließlich sei der Bürgermeister als Baubehörde in der Stadt die zentrale Anlaufstelle für solche Projekte.
Widmann betont, dass Transparenz wichtig sei. Nur wenn offen über das Projekt gesprochen werde, könnten Gerüchte ausgeräumt und Unsicherheiten in der Bevölkerung beseitigt werden.
Bürgermeister Christian Gratzl (SP) bestätigt, dass der Verein tatsächlich einen Neubau plant. Grundsätzlich sei es legitim, in einem Mischbaugebiet ein neues Gebäude zu errichten. Der Stadtchef versucht aber gleichzeitig zu beruhigen.
Ein Minarett könne er sich aus heutiger Sicht nicht vorstellen. "So weit sind wir nicht. Da müssten beide Seiten noch viel weiter aufeinander zugehen", sagt Gratzl. Konkrete Pläne, die einen solchen Turm vorsehen, lägen ihm derzeit nicht vor.
Auch aus der ÖVP kommen klare Worte zum Thema. Vizebürgermeisterin und Nationalratsabgeordnete Johanna Jachs betont, dass ein Minarett aus ihrer Sicht nicht ins Ortsbild von Freistadt passe. Für sie sei deshalb wichtig, dass der Bürgermeister als zuständige Baubehörde möglichst rasch Klarheit über das Projekt schafft.
Die FPÖ fordert unterdessen eine stärkere Einbindung der Bevölkerung. Stadtrat Harald Schuh spricht sich dafür aus, bei einem möglichen Moschee-Neubau mit Minarett eine Volksbefragung durchzuführen. Eine Entscheidung dieser Tragweite dürfe nicht über die Köpfe der Bürger hinweg getroffen werden. Gleichzeitig müsse aber eine sachliche Diskussion geführt werden.
Für Diskussion sorgt außerdem, dass ein SP-Gemeinderat Mitglied im Verein Alif ist – auch das werde in der Stadt bereits debattiert. Ob tatsächlich eine größere Moschee gebaut wird oder nur ein neues Vereinsgebäude entsteht, ist derzeit offen. Sicher ist aber schon jetzt: Das Projekt sorgt in Freistadt für viel Gesprächsstoff.