Studentenproteste eskalieren

Albanien brennt! Mitglied von Austro-Botschaft verletzt

Bei heftigen Studentenprotesten in Tirana wurde das Bildungsministerium in Brand gesetzt. Auch eine Bankfiliale brannte.
16.10.2026, 08:37
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

In der albanischen Hauptstadt Tirana ist es am Mittwoch zu schweren Ausschreitungen gekommen. Tausende Studenten protestierten gegen Korruption und Missstände im Bildungssystem und versammelten sich vor dem Bildungsministerium.

Einige Demonstranten warfen Ziegelsteine auf das Gebäude, rissen Absperrgitter nieder und kippten Mülltonnen um. Die Polizei griff mit Tränengas und Wasserwerfern ein, um die Menge auseinanderzutreiben.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

"Die Polizei geht mit den Protestierenden nicht zimperlich um, allerdings stehen ihnen nicht nur Klosterschüler gegenüber", so ORF-Korrespondentin Cornelia Primosch im Ö1-"Journal". Auch eine nahegelegene Filiale der Raiffeisen Bank wurde offenbar in Brand gesetzt.

Bei den Unruhen wurde auch ein "unbeteiligter Mitarbeiter der österreichischen Botschaft" am Kopf verletzt, so Primosch. Auch das Außenministerium hat den Vorfall bestätigt. Der Mann konnte das Krankenhaus indes wieder verlassen.

Regierung ruft zur Mäßigung auf

Die stellvertretende Ministerpräsidentin Albana Kociu verurteilte die Gewalt deutlich. "Protestieren ist ein legitimes Recht", erklärte sie auf Facebook. Dies dürfe jedoch kein Vorwand für Gewalt und Zerstörung sein.

Sie forderte die Studenten dazu auf, sich von Vandalismus zu distanzieren.

Die Proteste, die Ende Mai begannen, richten sich gegen schlechte Bedingungen an den Universitäten, hohe Studienkosten, mangelnde finanzielle Unterstützung und schlechte Jobchancen nach dem Abschluss. Auslöser war ein geplantes Luxus-Hotelprojekt in einem Naturschutzgebiet, das mit Ivanka Trump und Jared Kushner in Verbindung gebracht wird.

Unruhen weiten sich aus

Die jüngsten Ausschreitungen sind die bisher schwerste Eskalation und stellen eine große Herausforderung für die Regierung von Premier Edi Rama dar. Die Demonstranten fordern auch seinen Rücktritt. Bereits am Dienstag hatten Protestierende das Rathaus gestürmt, dort Feuer gelegt und weitere Gebäude beschädigt.

Nach Angaben der Polizei wurden 16 Menschen festgenommen. Sechs Polizisten, acht Demonstranten, drei Journalisten und zwei Passanten mussten medizinisch versorgt werden.

EU zeigt sich besorgt

Die EU-Vertretung in Tirana äußerte sich besorgt über die Gewalt und rief alle Seiten zur Beruhigung auf. Hinweisen auf übermäßige Polizeigewalt müsse rasch nachgegangen werden.

Albanien befindet sich derzeit in fortgeschrittenen Verhandlungen über einen EU-Beitritt, der bis 2030 angestrebt wird. Viele Bürger empfinden jedoch die politische Elite als korrupt und inkompetent.

red, 16.10.2026, 08:37
Mehr zum Thema