Fake-Stimme von Tochter

Stundenlanger Telefon-Terror – Frau zahlt Tausende Euro

Mit einer gefälschten Stimme ihrer Tochter setzten Betrüger eine 75-Jährige stundenlang unter Druck. Am Ende übergab sie Tausende Euro.
13.10.2026, 12:13
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Ein Anruf, eine angebliche Tragödie und eine gefälschte Stimme: Mit einer besonders perfiden Betrugsmasche haben Kriminelle eine 75-jährige Frau in Deutschland um mehrere Tausend Euro gebracht. Die Täter behaupteten, ihre Tochter habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht und brauche dringend Geld für eine Krankenhausbehandlung. Um die Pensionistin zu täuschen, spielten sie ihr sogar gefälschte Sprachaufnahmen der vermeintlichen Tochter vor.

Falsche Polizistin ruft Seniorin an

Mehr als vier Stunden lang hielten die Betrüger die Frau am Telefon und setzten sie massiv unter Druck. Schließlich übergab sie einem Unbekannten Bargeld. Der Vorfall ereignete sich am Montag (12. Oktober) im niedersächsischen Rinteln. Gegen 16 Uhr erhielt die 75-Jährige einen Anruf von einer Frau, die sich als Polizeibeamtin namens Anna Miller von der Kriminalpolizei ausgab.

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Die Anruferin behauptete, die Tochter der Seniorin habe einen Verkehrsunfall verursacht. Nun seien dringend Zahlungen für eine notwendige Krankenhausbehandlung fällig. Um die angebliche Notlage glaubwürdiger erscheinen zu lassen, spielten die Täter manipulierte Audiodateien ab. Diese sollten den Eindruck erwecken, dass tatsächlich die Tochter der 75-Jährigen zu hören sei.

Vier Stunden unter massivem Druck

Damit nicht genug: Die Betrüger hielten die Pensionistin über vier Stunden hinweg in dem Telefongespräch. Die Seniorin wurde nach Angaben der Polizei massiv unter Druck gesetzt. Offenbar gelang es den Tätern dadurch, sie von der erfundenen Notlage zu überzeugen. Gegen 20.40 Uhr kam es schließlich zur Geldübergabe in der Breslauer Straße in Rinteln.

Dort händigte die Frau einer bislang unbekannten Person Bargeld aus. Die Polizei beziffert den Schaden in ihrer Meldung einerseits als fünfstelligen Betrag, nennt für die Übergabe selbst aber nur mehrere Tausend Euro. Die genaue Schadenshöhe bleibt damit unklar.

Polizei fahndet nach diesem Mann

Der unbekannte Geldabholer soll etwa 20 bis 25 Jahre alt, rund 1,80 Meter groß und von schlanker Statur sein. Laut Täterbeschreibung hatte er glatte, dunkle, kinnlange Haare und trug eine dunkelgraue Jacke. Außerdem wurde ein osteuropäisches Erscheinungsbild angegeben. Der Mann soll ohne erkennbaren Akzent in einer russischen Mundart gesprochen haben.

Die Polizei sucht nun Personen, die am Montagabend im Bereich der Breslauer Straße in Rinteln verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Auch Anrainer werden gebeten, vorhandene Videoaufzeichnungen zu überprüfen.

Polizei warnt vor perfider Betrugsmasche

Nach dem Vorfall warnt die Polizei erneut eindringlich vor solchen Schockanrufen. Dabei geben sich Kriminelle häufig als Polizisten oder andere Amtspersonen aus und behaupten, dass ein naher Angehöriger in eine schwere Notlage geraten sei.

Die Täter versuchen, ihre Opfer durch Angst und Zeitdruck zu einer raschen Geldübergabe zu bewegen. Die Polizei stellt deshalb klar: Weder Polizei noch Justiz fordern am Telefon Bargeld, Wertsachen oder Kautionen für medizinische Behandlungen.

So können sich Betroffene schützen

Wer einen derartigen Anruf erhält, sollte das Gespräch beenden und betroffene Angehörige direkt unter einer bereits bekannten Telefonnummer kontaktieren.

Bei Zweifeln empfiehlt die Polizei, selbst die Nummer der örtlichen Polizeidienststelle zu wählen. Die Wiederwahltaste sollte dafür nicht verwendet werden. Geld oder Wertgegenstände sollten niemals an unbekannte Personen übergeben werden.

Besonders wichtig sei es außerdem, ältere Familienmitglieder und Nachbarn über die Betrugsmaschen aufzuklären.

Der Fall aus Rinteln zeigt, wie weit Kriminelle mittlerweile gehen, um ihre Opfer zu täuschen. Selbst vermeintlich vertraute Stimmen am Telefon sind kein sicherer Beweis mehr dafür, dass tatsächlich ein Angehöriger spricht.

red, 13.10.2026, 12:13