Lebensmittel, Bier und Co. sind in der Regel in Deutschland billiger, Sprit und Tabak wiederum in Österreich. Das jeweilige Pendeln über die Grenze gehört in Teilen Oberösterreichs und Salzburgs zum Alltag – setzt bestimmten Betrieben aber ordentlich zu.
Das gilt umso mehr angesichts der aktuellen Spritpreisexplosion. Hier gibt es in den beiden Ländern grundverschiedene Steuersysteme. Während in Österreich höhere fahrzeuggebundene Steuern fällig werden, zahlt man diese in Deutschland stärker über den Sprit. Benzin und Diesel sind deshalb nochmal 20 Cent teurer als bei uns.
Im bayrischen Bad Füssing fährt deshalb aktuell kaum noch wer zu Hause tanken. Mit nur zwei Kilometern Umweg lassen sich beim Tanken in Österreich immerhin 15 bis 20 Euro sparen.
"Wir verkaufen aktuell zwischen 1.000 und 1.500 Liter Kraftstoff am Tag. Umgerechnet auf die Tankgröße eines durchschnittlichen Autos macht das etwa 20 bis 30 Fahrzeuge", berichtet Tankstellen-Betreiber Karl Augenstein in der "Zeit". Trotzdem hat er Verständnis für jene, die jetzt zum Tanken nach Österreich fahren.
Rentabel sei der Betrieb der Tankstelle schon lange nicht mehr, allerdings sei es ein Familienbetrieb: 1984 vom Vater gegründet, die Altersvorsorge der Mutter, im Laden stehen wechselweise er oder seine Schwester. "Wir betreiben auch eine Werkstatt, so puffern wir die schlechten Zahlen einigermaßen ab." Außerdem kauft die Tankstelle den Sprit nicht selbst, sondern arbeitet auf Kommission.
Trotzdem ist der Umsatz alleine seit Ausbruch des Iran-Kriegs um 70 bis 80 Prozent zurückgegangen. "Damit kann ich nicht einmal mehr ansatzweise die Fixkosten decken." Viele Autofahrer glauben, dass sich Tankstellen gerade eine goldene Nase verdienen, doch die Gewinne streichen die großen Öl-Konzerne ein.
„Die Konzerne nutzen jede Gelegenheit, jedes geopolitische Ereignis, jede Krise, um eine künstliche Knappheit zu suggerieren.“Karl AugensteinTankstellen-Betreiber in Bad Füssing (Bayern)
"Als Tankstellenbetreiber verdienen wir hier im Grenzgebiet einen recht fixen Satz an einem Liter Benzin – der bewegt sich bei plus/minus einem Cent, wir liegen momentan knapp drüber. Egal ob der Preis bei 1,50 liegt oder 1,70 – die Gewinnmarge bleibt für uns die gleiche", erklärt er der "Zeit".