Ab 1. April können sich Haushalte in Österreich auf spürbar niedrigere Stromnetz-Kosten freuen – zumindest dann, wenn sie ihren Verbrauch bewusst in die Mittagsstunden verlegen.
Zwischen 10 und 16 Uhr gilt nämlich ein Rabatt auf die Netzentgelte, der automatisch greift und laut Regulierungsbehörde E-Control rund 20 Prozent beträgt.
Hintergrund ist die hohe Stromproduktion durch Photovoltaikanlagen während der Mittagszeit. In diesem Zeitraum wird besonders viel Solarstrom ins Netz eingespeist, während die Nachfrage oft geringer ist.
Um Angebot und Nachfrage besser auszugleichen, soll der günstigere Tarif Haushalte dazu motivieren, ihren Stromverbrauch genau in diese Stunden zu verlegen.
Konkret bedeutet die neue Regelung, dass von April bis September zwischen 10 und 16 Uhr ein reduzierter Netztarif gilt. Dieser sogenannte Sommer-Niedertarif wird automatisch berücksichtigt und wirkt sich direkt auf die Netzgebühren aus, die einen Teil der gesamten Stromrechnung ausmachen.
Wer seinen Verbrauch in diese Zeit verschiebt, kann also ohne zusätzliche Tarifwechsel oder Vertragsänderungen sparen. Besonders interessant ist das für Haushalte, die ohnehin flexibel planen können, wann Geräte betrieben werden.
Am meisten lässt sich dort einsparen, wo der Stromverbrauch hoch ist. Dazu zählen vor allem Waschmaschinen, Geschirrspüler und Wäschetrockner, die sich häufig zeitlich vorprogrammieren lassen. Auch Warmwasserboiler können gezielt so gesteuert werden, dass sie in den günstigen Mittagsstunden aufheizen.
Besonders relevant wird der neue Tarif zudem für Haushalte mit Wärmepumpen oder Elektroautos. Wer sein E-Auto während der Mittagszeit lädt oder eine Wärmepumpe zur Kühlung nutzt, kann von den reduzierten Netzkosten profitieren – vorausgesetzt, der Strom stammt nicht ohnehin bereits aus einer eigenen Photovoltaikanlage.
Um den Rabatt tatsächlich nutzen zu können, ist ein sogenannter Smart Meter erforderlich, also ein digitaler Stromzähler. Zusätzlich müssen die Viertelstundenwerte beim jeweiligen Netzbetreiber aktiviert sein, damit der Verbrauch entsprechend erfasst und abgerechnet werden kann. Die Einstellung erfolgt in der Regel online über das Portal des Netzbetreibers.
Einige Energieversorger informieren ihre Kundinnen und Kunden aktiv über die Umstellung. So sollen etwa Netzkunden einzelner Betreiber in den kommenden Wochen entsprechende Schreiben erhalten, um sie über die Aktivierungsmöglichkeiten zu informieren.
Je nach Verbrauchsverhalten kann die neue Regelung spürbare finanzielle Vorteile bringen. Laut Schätzungen der E-Control sind Einsparungen von bis zu 200 Euro pro Haushalt und Jahr möglich, wenn größere Stromverbraucher konsequent in die Mittagsstunden verlegt werden. Entscheidend ist dabei, wie flexibel der individuelle Alltag gestaltet werden kann und wie viele Geräte entsprechend gesteuert werden.