Immunkraft

Warum Impfungen bei Tätowierten weniger wirken könnten

Tattoo-Tinte kann laut Studie das Immunsystem schwächen und die Impfreaktion beeinträchtigen. Langfristige Folgen sind noch unklar.
Heute Life
29.11.2025, 08:15
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Tattoos sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Was früher oft als rebellisches Statement galt, ist heute für viele ein ganz normaler Teil der Selbstinszenierung – egal ob kleines Symbol am Handgelenk oder großflächiges Kunstwerk am Rücken. Die Gründe für die wachsende Popularität sind vielfältig: Tattoos erzählen persönliche Geschichten, markieren Lebensphasen, stehen für Zugehörigkeit oder sind einfach Ausdruck von Stil und Ästhetik. Dazu kommt: Social Media, Prominente und eine neue, offenere Körperkultur haben das Tätowieren sichtbarer, akzeptierter und auch kreativer gemacht als je zuvor.

Dennoch stand immer die Frage nach einer möglichen Schädlichkeit der Tattoo-Tinte im Raum. Forscher der Tessiner Universität haben im Tierversuch herausgefunden, dass Tattoofarbe nach dem Stechen blitzschnell über die Lymphbahnen bei Mäusen wandert. Schon nach wenigen Stunden lagert sich die Farbe in großen Mengen in den Lymphknoten ab. Dort wird sie von sogenannten Makrophagen, also Zellen des Immunsystems, aufgenommen. Das löst das eine Entzündungsreaktion in zwei Abschnitten aus. Zuerst gibt es eine akute Phase, die etwa zwei Tage dauert, danach folgt eine chronische Phase, die sich über Jahre ziehen kann.

Konstante Schwächung der Immunkraft

Laut Studie gelingt es den Makrophagen nicht, die Tattoo-Tinte abzubauen. Die Farbe bleibt im Lymphknoten eingeschlossen. Das führt zu einem ständigen Kreislauf aus Aufnahme und Zelltod. Dadurch wird die Abwehrkraft des Immunsystems nach und nach geschwächt.

Weniger Antikörper nach Impfung bei tätowierten Mäusen

Die Tattoo-Tinte verändert auch, wie der Körper auf Impfungen anspringt. Das zeigen die Forscher in ihren Experimenten: Tätowierte Mäuse, die mit einem mRNA-Impfstoff gegen Corona geimpft wurden, bildeten weniger Antikörper. Das deutet darauf hin, dass Tattoos die Fähigkeit des Immunsystems, auf den Impfstoff zu reagieren, verschlechtern.

Dieser Effekt dürfte daher kommen, dass die Immunzellen durch den langen Kontakt mit der Tattoo-Tinte schlechter arbeiten, heißt es in der Mitteilung der Schweizer Università della Svizzera italiana (USI). Auch menschliche Immunzellen, die mit Tinte in Berührung waren, zeigten nach der Impfung eine schwächere Abwehr.

Ähnliches beim Menschen liegt nahe

Die Forscher betonen, dass diese Ergebnisse nicht nur für Mäuse, sondern auch für Menschen wichtig sein könnten. Sie warnen: Die Auswirkungen von Tattoos auf das Immunsystem sind noch längst nicht komplett erforscht. Es braucht weitere Untersuchungen, um die Langzeitfolgen und mögliche Risiken besser zu verstehen.

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