Wer in Österreich krank wird, kann sich normalerweise auf die Krankenversicherung verlassen. Doch längst nicht alle Menschen sind abgesichert. Eine neue Studie im Auftrag der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) zeigt, dass Tausende durch das soziale Netz fallen.
Ende 2024 waren demnach je nach Berechnung bis zu 57.000 Menschen ohne Krankenversicherung. Das entspricht rund 0,6 Prozent der Bevölkerung. Die Forscher gehen jedenfalls von mehreren Tausend bis Zehntausenden Betroffenen aus, wie die "Kleine Zeitung" berichtet.
Wie groß das Problem ist, zeigen die Zahlen spezieller Ambulanzen. Allein 2025 versorgte AmberMed in Wien 2.697 Menschen ohne Versicherung, die Marienambulanz in Graz betreute 2.221 und die Virgilambulanz in Salzburg 96.
Besonders häufig verlieren Menschen in unsicheren Jobs, Arbeitsuchende ohne Leistungsanspruch oder Personen in psychischen Krisen ihren Versicherungsschutz. Auch Studierende, Rückkehrer aus dem Ausland und Menschen, die keine Sozialhilfe beantragen, obwohl sie Anspruch hätten, sind betroffen.
Aus Angst vor hohen Kosten oder aus Scham verzichten zahlreiche Betroffene zunächst auf medizinische Hilfe. Einer Stichprobe zufolge warten 28 Prozent nach den ersten Beschwerden mindestens drei Monate auf eine Behandlung. 19 Prozent suchen sogar erst nach frühestens einem Jahr einen Arzt auf.
"Es kann zu größeren gesundheitlichen Problemen kommen, wenn nicht rechtzeitig therapeutisch gehandelt wird", warnt Studien-Co-Autor Martin Schenk von der Diakonie.
Die niedrigste Versicherungsquote gibt es bei den 20- bis 24-Jährigen. Danach folgen die 25- bis 29-Jährigen und die 30- bis 34-Jährigen. Häufig betroffen sind außerdem Menschen mit geringem Einkommen, niedrigem Bildungsabschluss oder unsicherer Wohnsituation. Auch Personen ohne österreichischen Pass sind überdurchschnittlich vertreten, vor allem aus europäischen Ländern.
Die Studienautoren fordern einen leichteren Zugang zur Sozialhilfe, damit Anspruchsberechtigte nicht ohne Versicherung bleiben. Als weitere Möglichkeit nennen sie eine automatische Krankenversicherung für Schulkinder.
Zudem müsse die Finanzierung kostenloser medizinischer Anlaufstellen gesichert werden. Einrichtungen wie AmberMed, wo Ärzte ehrenamtlich arbeiten und Untersuchungen durch Kooperationen kostenlos ermöglicht werden, seien unverzichtbar. Vor allem außerhalb größerer Städte gebe es noch Versorgungslücken.