Norweger zurück im Weltcup

Teamkollege Bakken tot: "Lange nachgedacht, ob..."

In Oberhof bestreiten die norwegischen Biathleten ihren ersten Weltcup nach dem Tod von Sivert Guttorm Bakken. Die Trauer ist groß, Fragen sind offen.
Sport Heute
08.01.2026, 07:02
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Isak Frey stand vor der wohl schwierigsten Entscheidung seiner noch jungen Karriere. "Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich Siverts Platz einnehmen soll oder nicht", sagte der 22 Jahre alte norwegische Biathlet, "und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich ihn am besten ehren kann, indem ich in Oberhof antrete." Gut zwei Wochen nach dem plötzlichen Tod von Sivert Guttorm Bakken sitzt der Schock bei seinen Teamkollegen noch immer tief - und viele Fragen sind weiterhin ungeklärt.

Am 23. Dezember 2025 war Bakken, der nur 27 Jahre alt wurde, tot in seinem Hotelzimmer im Höhenlager von Lavaze in Südtirol aufgefunden worden. Dabei trug er eine Höhentrainingsmaske, die nach Informationen der norwegischen Zeitung "VG" auf 7.000 Meter über dem Meeresspiegel eingestellt war. Ob Bakken selbst diese Einstellung vorgenommen hat? Ob sie zum Zeitpunkt seine Todes diesen Wert hatte? Spätestens im März werde laut der Anwaltskanzlei der Familie die Ursache erwartet.

Doch während weiter nach den Gründen für diese Tragödie gesucht wird, geht der Weltcup-Alltag mit den Rennen im Thüringer Wald schon wieder weiter. "Die ganze Situation ist einfach grauenvoll", sagte Frey, der dieser Tage eigentlich beim zweitklassigen IBU Cup am Arber starten sollte, dem norwegischen Rundfunk (NRK). Aufgrund der schlimmen Ereignisse ist er aber nun unverhofft doch am Rennsteig dabei, am Donnerstag (11.30 Uhr/ARD und Eurosport) legen die Männer mit ihrem Sprint los.

Botn fand toten Kollegen, ist nicht am Start

Nicht am Start ist derweil der Gesamtführende Johan-Olav Botn, der krankheitsbedingt fehlt. Der Norweger war es, der kurz vor Weihnachten die Leiche seines Teamkollegen entdeckt hatte. "Ich war völlig geschockt und in Panik", schilderte Botn den Tag in einem Interview mit dem norwegischen Fernsehsender "TV2": "Ich sah, dass er völlig leblos war und sein Gesicht blass. Ich begriff, dass er tot war." Es sei ein "Schockzustand" gewesen, "in dem man nichts mehr fühlt, aber versucht zu helfen", sagte Botn. "Erst als der Krankenwagen kam, wurde mir klar, was passiert war - und man verarbeitet es", erzählte er weiter.

Am Mittwoch wurde die Beerdigung für den 13. Jänner in der Kirche Nordre Al in Lillehammer angesetzt, die Familie bat um Respektierung der Privatsphäre. In Oberhof wird zu Ehren von Bakken im Sprint der Biathleten die Nummer "1" nicht vergeben, der Startbereich bleibt zu Beginn des Rennens leer. Zudem soll es davor eine Minute lang Applaus geben, "um Siverts Leistungen und seinen Beitrag zum Biathlon zu würdigen und einem Athleten und Menschen Tribut zu zollen, der für seine positive Art sehr geschätzt wurde", teilte die Internationale Biathlon-Union IBU mit.

"Dieses Wochenende wird für uns alle anders sein", sagte der norwegische Nationaltrainer Per Arne Botnan. Sein Schützling Frey trete nun "einen Platz an, der in gewisser Weise Sivert gehörte, aber ich hoffe, dass es eine Ehre für ihn ist, mit Siverts Startnummer anzutreten", so Botnan. Bakken "wäre wohl der Letzte gewesen, der gewollt hätte, dass dieser Platz leer bleibt".

{title && {title} } red, {title && {title} } 08.01.2026, 07:02
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