Eingekreist und getreten

Teenie-Bande verprügelt Malik – Er muss Boss gehorchen

Am Schulweg wurde Malik (12) von einer Bande abgepasst, getreten und beschimpft. Es ist nicht der einzige Gewalt-Fall an einer Wiener Mittelschule.
Wien Heute
14.10.2025, 06:30
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Gewalt unter Mitschülern in Schulen (oder auch außerhalb davon) wird immer mehr zu einem explosiven Problem: Von 2015 bis 2024 haben sich die Anzeigen aufgrund von Gewaltdelikten an den Wiener Schulen verdoppelt. Laut Bildungsdirektion waren es im Schuljahr 2024/25 bereits 784, im Schuljahr davor 632.

Auch Christian Klar (63), Buch-Autor ("Was ist los in unseren Schulen?") und Direktor der Franz Jonas Europaschule in Wien-Floridsdorf, kennt das Problem: "90 Prozent der Kinder hier haben einen Migrationshintergrund, deutlich mehr als die Hälfte ist islamisch", berichtete der 63-Jährige in einem früheren "Heute"-Interview.

Christian Klar ist Direktor an einer Mittelschule und Buch-Autor.
Helmut Graf

Malik musste Gehorsam versprechen

Der Schulleiter hat schon viele Gewalt-Vorfälle in und außerhalb seiner Schule erlebt. Etwa jenen von Banden-Boss Abdulbek, Schüler einer 4. Klasse. Der 14-Jährige war Anführer einer kleinen Bande in der Schule, die anderen Mitglieder waren jünger, besuchten eine 2. oder 3. Klasse. Als es in einer 2. Klasse zu einem Streit kam, wurde der Banden-Boss von Schüler Akhmad um "Hilfe" gebeten.

Abdulbek passte mit mehreren Freunden Akhmads Kontrahenten Malik ab (alle Namen geändert). Der 12-Jährige wurde eingekreist, immer wieder getreten und beschimpft. Malik musste sogar Abdulbeks Siegelring küssen und ihm Gehorsam versprechen. Irgendwann ließ die Bande ihr Opfer schließlich gehen – unter der Androhung von weiteren "Maßnahmen".

„Da der Übergriff in unmittelbarer Nähe der Schule passiert war, konnten wir Suspendierungen aussprechen“
Christian KlarDirektor Franz Jonas Europaschule

"Am nächsten Tag kam Malik mit seinem Vater in die Schule und erzählte von dem Vorfall. Da der Übergriff am Schulweg in unmittelbarer Nähe der Schule passiert war, konnte nicht nur Anzeige bei der Polizei erstattet werden, sondern es gab auch Suspendierungen", berichtet Direktor Klar. So durfte Abdulbek vier Wochen, zwei weitere Täter zwei Wochen lang nicht die Schule besuchen. Weitere Mittäter wurden ebenfalls angezeigt, sie wurden allerdings nicht suspendiert.

Doch die Geschichte nahm eine Wende: "Als Abdulbeks sehr strenger Vater von dem Übergriff erfuhr, kam er einmal pro Woche in die Schule und erkundigte sich nach dem Verhalten seines Sohnes", erinnert sich Klar. Der 14-Jährige zog sich zurück, mied den Kontakt zu den anderen und löste die Bande auf. Nach Abschluss der 4. Klasse wechselte er an eine Polytechnische Schule.

Suspendierungen nicht immer zielführend

Auch, wenn Abdulbek und zwei weitere Täter suspendiert werden konnten, ist laut Direktor Klar der Rahmen für Maßnahmen sehr eng: "Das betrifft nicht nur uns Schulen, sondern auch die Polizei oder die Justiz. Wir hatten schon Raubüberfälle, wo dann im Nachhinein eine Diversion gemacht wurde, der Täter keine Strafe bekommen hat. Oft empfehle ich Eltern von verprügelten Kindern, eine Anzeige zu machen oder mache es selbst, wenn es im Umfeld der Schule vorgefallen ist. Aber am Ende passiert gar nichts", so Klar.

Suspendierungen seien zudem nur zielführend, wenn echte Gefahr in Verzug ist: "Sie wirken nur dann, wenn's für die Betroffenen unangenehm ist, nicht in die Schule zu kommen. Und vor allem dann, wenn die Eltern reagieren und merken, jetzt geht irgendwas ganz schief. Aber wenn das egal ist, dann kommen die Schüler zurück und nachher geht's genauso weiter", stellt Klar klar.

{title && {title} } red, {title && {title} } 14.10.2025, 06:30
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