Ein Rechtsanwalt steht kurz nach einem Autounfall an der Unfallstelle, die Polizei soll gar nicht erst verständigt werden: Was die Mutter einer verletzten 16-Jährigen aus Salzburg über die Ereignisse nach einem Verkehrsunfall berichtet, wirft Fragen auf. Ihre Tochter saß mit zwei Freundinnen im Mercedes eines jungen Lenkers, der gegen einen Baum prallte.
Die Jugendliche erlitt eine Gehirnerschütterung und ein Schleudertrauma. Auch rund zwei Wochen später kämpft sie laut ihrer Mutter mit den Folgen des Unfalls.
Begonnen hatte alles an einem Donnerstagnachmittag in Salzburg. Die 16-Jährige war am 8. Oktober mit zwei Freundinnen unterwegs, als ein früherer Schulkollege anbot, die drei nach Hause zu bringen.
Doch statt die Mädchen wie vereinbart heimzufahren, soll der 18-jährige Lenker mehrfach einen anderen Weg eingeschlagen haben. "Er hat unter Vorwänden immer wieder Umwege gemacht", berichtet die Mutter gegenüber den "Salzburger Nachrichten".
Die Mitfahrerinnen hätten ihn wiederholt gebeten, sie nach Hause zu bringen. Der Bursche habe jedoch erklärt, zunächst noch einen Pullover holen zu wollen.
Auf der Leopoldskronstraße beim Freibad soll sich die Situation schließlich zugespitzt haben. Laut der Mutter kündigte der Fahrer eine besonders schnelle Fahrt an. Die Mädchen wollten daraufhin aussteigen.
"Dort hat er gesagt: 'Mädels, haltet euch fest, jetzt kommt meine Ballerstrecke.' Die Mädchen haben geschrien: 'Bitte, lass uns aussteigen.' Dann hat es schon geknallt", heißt es im Bericht der "Salzburger Nachrichten".
Kurz darauf verlor der junge Lenker die Kontrolle über das Auto und prallte gegen einen Baum. Die Insassen konnten den Wagen nach dem Zusammenstoß verlassen.
Besonders irritiert zeigt sich die Mutter über das Geschehen unmittelbar nach dem Unfall.
"Wenige Augenblicke danach stand ein Mann an der Unfallstelle. Später erfuhren wir, dass es der Anwalt der Familie des Fahrers war. Offenbar hatte der Bursche gleich seine Eltern angerufen und diese dann den Anwalt. Meine Tochter hat mir erzählt, er hätte gesagt, man bräuchte keine Polizei, nur die Feuerwehr", erklärt sie gegenüber den "Salzburger Nachrichten".
Nach ihrer Schilderung alarmierte schließlich ein vorbeikommender Radfahrer die Polizei. Die Beamten trafen an der Unfallstelle tatsächlich bereits einen Rechtsanwalt an, wie die Polizei gegenüber der Tageszeitung bestätigte.
Die Mutter kritisiert in den "Salzburger Nachrichten" auch, dass nach dem Unfall kein Rettungsdienst verständigt worden sei. Auch sie selbst habe zunächst keine Nachricht erhalten, obwohl ihre Tochter erst 16 Jahre alt ist.
"Ich frage mich auch, warum ich nicht angerufen werde, wenn meine minderjährige Tochter in einen Verkehrsunfall verwickelt ist. Sie war völlig außer sich und hat geheult", schildert sie gegenüber den "SN".
Die Polizei erklärt dazu, dass die Mädchen mehrmals gefragt worden seien, ob sie medizinische Unterstützung benötigten. Ein Rettungseinsatz sei allerdings abgelehnt worden. Später stellte sich heraus, dass die 16-Jährige eine Gehirnerschütterung und ein Schleudertrauma erlitten hatte.
Für zusätzlichen Ärger sorgt bei der Frau der weitere Ablauf der polizeilichen Ermittlungen. Ein Beamter habe noch am Unfallabend auf dem Handy ihrer Tochter angerufen. Die Mutter nahm das Gespräch entgegen:
"Der Polizist hat mir versprochen, dass meine Tochter einvernommen wird. Das ist nie passiert. Wieso gab es keinen Rettungseinsatz? Wieso wird kein Verfahren geführt?" Mittlerweile hat die Polizei nach den Hinweisen der Mutter weitere Schritte gesetzt.
Der junge Autofahrer wird wegen des Verdachts der Gefährdung der körperlichen Sicherheit und der fahrlässigen Körperverletzung angezeigt. Alkoholisiert war der 18-jährige Lenker laut Polizei nicht.
Die Folgen des Unfalls beschäftigen die Familie noch immer. Nach Angaben ihrer Mutter leidet die Jugendliche weiterhin unter Kopfschmerzen und kann sich in der Schule nur schwer konzentrieren.
"Sie hat nach wie vor immer wieder Kopfweh, es fällt ihr schwer, sich in der Schule zu konzentrieren", berichtet die Frau gegenüber den "Salzburger Nachrichten". Wegen starker Kopfschmerzen musste die 16-Jährige diese Woche erneut von der Schule ins Krankenhaus geschickt werden.
Neben den körperlichen Beschwerden belaste sie auch die Erinnerung an die Fahrt: "Und auch psychisch ist die Sache für sie sehr belastend. Meine Tochter hat Angst, den Fahrer wieder zu treffen."