Nach der angekündigten Schließung des Tiefkühl-Werks von Ardo Austria Frost in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) wächst der Druck. Rund 190 Beschäftigte sowie etwa 50 saisonale Leiharbeitskräfte sind betroffen – "Heute" berichtete. Auch zahlreiche Gemüsebauern im Marchfeld müssen um einen wichtigen Abnehmer bangen.
Für den Österreichischen Verband der Markenartikelindustrie (MAV) ist das Aus ein Warnsignal für den gesamten Lebensmittelstandort. Geschäftsführer Günter Thumser sieht vor allem den starken Preisdruck als Problem.
"Dieser Schritt ist mehr als die Schließung eines einzelnen Werks – er ist ein Fanal für das, was passiert, wenn der Preis zum einzigen Maßstab wird", erklärt Thumser.
Heimische Qualitätsstandards bei Produktion, Pflanzenschutz oder Sozialstandards seien mit höheren Kosten verbunden. Wer beim Einkauf ausschließlich auf den niedrigsten Preis schaue, gefährde laut MAV langfristig Produktionsstandorte in Österreich.
"Nur ein fairer Preis sichert das Morgen", so Thumser. Der Verband warnt zudem vor einer wachsenden Abhängigkeit von Lebensmittelimporten. Nach Angaben des MAV könnten rund 270 Gemüsebauern in der Region von der Schließung betroffen sein.
Auch die SPÖ Niederösterreich fordert rasche Maßnahmen. Klubobmann Rene Zonschits verlangt einen umfassenden Sozialplan für die Beschäftigten.
"187 Menschen sollen ihren Arbeitsplatz verlieren, zusätzlich sind rund 50 saisonale Leiharbeitskräfte betroffen", so Zonschits. Hinter diesen Zahlen stünden Familien, die jetzt rasch Sicherheit und Perspektiven bräuchten.
SPÖ-Landesparteivorsitzender Sven Hergovich fordert zudem das Land zum Handeln auf. Gemeinsam mit AMS und Sozialpartnern müssten frühzeitig Qualifizierungs-, Vermittlungs- und Unterstützungsmaßnahmen vorbereitet werden. Auch eine Arbeitsstiftung müsse geprüft werden.
Der MAV verbindet die Werksschließung auch mit einer wirtschaftspolitischen Forderung. Der Verband lehnt ein generelles Verbot regionaler Liefervereinbarungen ab. Solche Modelle seien wichtig, um heimische Produktion und Arbeitsplätze abzusichern.
Thumser warnt davor, dass der jeweils günstigste Einkaufspreis zum einzigen Maßstab wird. Hersteller müssten weiterhin selbst entscheiden können, wie und mit wem sie ihre Waren vertreiben.
Für Beschäftigte und Gemüsebauern im Marchfeld beginnt nun eine schwierige Phase. Nach dem Ardo-Aus geht es vor allem um neue Jobs, wirtschaftliche Perspektiven und die Zukunft der regionalen Lebensmittelproduktion.