Das Tierheim in St. Pölten stößt im Sommer wieder einmal an seine Grenzen. Immer mehr Leute bringen ihre Tiere zurück, weil sie sich davor zu wenig Gedanken gemacht haben, erzählt Victoria Bischof vom Tierheim. Dies ist kein Einzelfall und das Problem wiederholt sich jedes Jahr.
Ab sofort gilt: Wer sich einen Hund, eine Schlange, einen Frosch oder einen Papagei anschaffen will, muss einen mindestens vierstündigen Theoriekurs machen. Bisher waren es drei Stunden. Für Hunde kommt noch eine zweistündige Praxiseinheit dazu.
Wer schon einen Hund hat oder früher einen besessen hat, sowie Hundetrainer oder Tierärzte sind von dieser Regel ausgenommen.
„Tiere werden oft wegen Dingen zurückgebracht, die vorhersehbar waren. Die Leute haben oft gar keine Ahnung von Körpersprache und das führt dann immer häufiger zu Konflikten“Victoria BischofTierheim St. Pölten
Die bisherigen Theoriekurse mit drei Stunden wurden auch im Tierheim angeboten. Wie die neuen Praxiskurse genau ablaufen sollen, weiß man aber bisher nicht. "Aber es wird in erster Linie um tierschutzkonformes Training gehen und so Alltagsgeschichten, denke ich. Bei den Theoriekursen wird viel über Rechtliches gesprochen, auch über Training und auch über Körpersprache", so Bischof weiter.
Kritik kommt von der zuständigen Tierschutzlandesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ). Sie bemängelt, dass es noch viele offene Fragen bei den Praxiskursen gibt. Auch bei den exotischen Tieren sieht sie große Lücken. "Die sind uns ja vom Bund auch aufs Auge gedrückt worden. Und da wissen wir eigentlich noch überhaupt nicht, wie wir weiter tun sollen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der sich jetzt eine Spinne zulegt, plötzlich über Papageien einen Sachkundenachweis braucht. Ganz abgesehen davon, dass wir teilweise nicht einmal Anbieter haben, die diese gesamte breite Palette abdecken können", sagt Rosenkranz.
„Ich erwarte mir schon, dass wenn man sich in den Kopf setzt, einen Sachkundenachweis für Exoten zu machen, man sich überlegt, wie der eigentlich ausschauen soll“Susanne RosenkranzTierschutzlandesrätin FPÖ
Das zuständige Staatssekretariat von Ulrike Königsberger-Ludwig hält dagegen. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: "Der Bund definiert zwar erstmals österreichweite Mindeststandards, aber die Länder gestalten die konkrete Umsetzung. Niederösterreich kann daher jederzeit strengere oder detailliertere Vorgaben erlassen. Das gilt auch für die Kursanbieter: Der Bund legt die Mindestkriterien fest, die Entscheidung, welche Anbieter zugelassen werden, treffen weiterhin die Länder selbst."