Lücke wird größer

Zahnärzte-Mangel: Jede Vierte Stelle in Tirol unbesetzt

In Tirol droht ein Mangel an Kassenzahnärzten, da viele Absolventen ins Ausland gehen. Politik und Kammer fordern Gegenmaßnahmen.
Newsdesk Heute
13.10.2025, 12:45
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In keinem anderen medizinischen Fachgebiet ist die Lücke bei Kassenärzten in Tirol so groß wie in der Zahnmedizin: Von 228 Kassenstellen sind derzeit 52 unbesetzt. An der Medizin-Uni Innsbruck gibt es jedes Jahr 40 Plätze fürs Zahnmedizinstudium. Diese werden aber großteils von deutschen Studierenden belegt, die nach dem Abschluss meist in ihre Heimat zurückkehren.

Das sorgt laut Paul Hougnon, Präsident der Tiroler Zahnärztekammer, für Probleme: "Dadurch hat es auch zu wenig Ausgebildete gegeben, die potenziell die Kassenstellen hätten übernehmen können."

Früher waren noch 75 Prozent der Studienplätze für Einheimische reserviert, aber das ist wegen EU-Recht nicht mehr erlaubt. Hougnon sieht die Lage kritisch und fordert eine Rückkehr zur Quote, weil sich das Problem sonst noch zuspitzen wird, berichtet der "ORF".

Auch der neue Rektor der Medizin-Uni Innsbruck, Gert Mayer, hat in der "Tiroler Tageszeitung" eine Quote für das Zahnmedizinstudium gefordert. Grund dafür ist eine drohende Lücke in den kommenden Jahren. Aus der Tiroler Politik gibt es ebenfalls immer wieder ähnliche Forderungen.

Bis 2023: Weitere 50 Stellen werden frei

Bis 2030 werden laut Berechnungen der Kammer in Tirol rund 50 weitere Kassenstellen für  Zahnärzte frei, weil viele in Pension gehen. Hougnon rechnet damit, dass viele dieser Stellen nicht nachbesetzt werden können. Einerseits gibt es zu wenig einheimische Zahnärzte, andererseits sind die Kassentarife und die Rahmenbedingungen wenig attraktiv.

Die Kammer betont, dass es insgesamt zwar nicht zu wenige Zahnmediziner in Tirol gibt. Im Gegenteil – die Zahl der Praxen ist sogar leicht gestiegen. Die meisten davon sind aber Wahlarztpraxen. Da musst du als Patient zuerst alles selbst zahlen und bekommst nur einen Teil von der Kassa retour. "Das können sich nicht alle leisten", sagt Hougnon. Das führe dazu, dass es bei den Kassenpraxen lange Wartezeiten gibt oder gar keine neuen Patienten mehr aufgenommen werden.

Kassentarife erhöhen und Starthilfe

Die Tiroler Zahnärztekammer fordert daher, die Kassentarife zu erhöhen. Sie seien längst nicht mehr zeitgemäß und machen die Kassenstellen unattraktiv. Hougnon spricht sich außerdem für eine Starthilfe aus – so wie es sie bei praktischen Ärzten gibt. Dort gibt es bis zu 100.000 Euro Unterstützung für die Eröffnung einer neuen Kassenpraxis.

Vor einigen Jahren gab es in Tirol schon Pläne für ein Pilotprojekt mit so einer Starthilfe. Leider ist daraus nichts geworden, bedauert Hougnon. Er ist überzeugt, dass man das Problem nur auf mehreren Ebenen lösen kann. Eine Möglichkeit wären auch Stipendien, bei denen sich die angehenden Zahnmediziner verpflichten, nach dem Studium fünf Jahre lang eine Kassenstelle zu übernehmen. Tirol ist laut Hougnon besonders betroffen – hier hat der Mangel an Kassenzahnärzten früher begonnen und ist stärker als in anderen Bundesländern.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 13.10.2025, 13:05, 13.10.2025, 12:45
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