Tragischer Fall

Tochter getötet – Vater erfuhr Bluttat aus den Medien

Der Vater einer von ihrem Ex-Freund getöteten Frau musste aus den Medien vom Ableben seiner Tochter erfahren – und nicht von der Polizei.
André Wilding
18.02.2026, 11:31
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Wie Medien über Gewaltverbrechen berichten, stand beim "Tag der Kriminalitätsopfer" im Innenministerium im Mittelpunkt. Beim vom "Weißen Ring" organisierten Symposium ging es vor allem um jüngste Gewalttaten an Frauen in der Steiermark und den Amoklauf in Graz. Experten und Politiker übten dabei deutliche Kritik.

Die Linzer Strafrechtsprofessorin Lyane Sautner warnte zu Beginn vor einer "quartären Viktimisierung". Für Betroffene ende das Leid oft nicht mit der Tat selbst. Neben negativen Reaktionen aus dem Umfeld oder von Behörden könnten auch Medien zusätzlichen Schaden anrichten. Bei Opfern und Angehörigen würden mitunter "neue Wunden aufgerissen. Und alte, bestehende Wunden können nicht heilen", wird Sautner in der "Kleinen Zeitung" zitiert.

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) sprach von einer gesellschaftlichen Verantwortung im Umgang mit Opfern. Die Polizei gebe ausschließlich "nur zu hundert Prozent gesicherte Informationen weiter". Beim Amoklauf in Graz seien jedoch Fotos und Videos in sozialen Netzwerken aufgetaucht, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen seien. Dieses Material sei "von manchen Medien bewusst an die Öffentlichkeit gezerrt worden", so Karner.

"Sex-Unfall", "tödlicher Ausraster"

Auch aus der Bundesregierung kam Kritik. Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) betonte, journalistische Sorgfalt müsse Vorrang vor "Clickbaiting" haben. Justizministerin Anna Sporer (SPÖ) sprach von einem "verstörendes Bild", wenn in Schlagzeilen über Femizide von einem "Sex-Unfall" oder einem "tödlichen Ausraster" die Rede sei. "Da wird ein Narrativ erzeugt, das aus Tätern tragische Helden macht und aus Opfern Mittäterinnen", heißt es in dem Bericht weiter. Dieses Victim Blaming sei unangemessen, die Justiz werde die Opferrechte "konsequent stärken".

Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe

Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555

Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247

Rat auf Draht: 147

Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20

Polizei-Notruf: 133

Hier weiterlesen: Expertin gibt konkrete Tipps: Kontrolle, Eifersucht - wann der Alarm schrillen sollte  >

Besonders drastisch schilderte Markus Lamb, Sprecher der Landespolizeidirektion Steiermark, einen Fall aus der Praxis. Der Vater einer von ihrem Ex-Partner getöteten Frau habe vom Tod seiner Tochter aus den Medien erfahren – nicht durch die Polizei, schreibt die "Kleine Zeitung". Üblicherweise würden Angehörige bei solchen Verbrechen persönlich und in Begleitung eines Kriseninterventionsteams informiert, erst danach gehe man an die Öffentlichkeit. "Das beschädigt das Vertrauen in den Rechtsstaat und seine Institutionen und führt zu subjektiver Unsicherheit", sagte Lamb.

Tempo kein Qualitätsmerkmal

Tempo allein sei kein Qualitätsmerkmal. "Soziale Medien und Pseudo-Medien begünstigen diese Entwicklung." Beim Amoklauf in Graz hätten einige Redaktionen zudem nichts aus dem Terroranschlag vom 2. November 2020 in Wien gelernt. Bildmaterial aus und vor der Schule sei teilweise übernommen worden. Polizisten hätten "viele Zivilstreifen an Örtlichkeiten von Opfern und Angehörigen abgestellt, weil die uns angefleht haben, vor den Medien geschützt zu werden".

Gerade bei sogenannten "School Shootings" könne eine starke Fokussierung auf den Täter Nachahmer motivieren. Der Name des Schützen von Graz sei – wenn auch abgekürzt – genannt, Fotos verbreitet worden. Stattdessen müsse der Opferschutz im Vordergrund stehen. Das sei "keine Einschränkung, sondern ein professionelles Leistungsverständnis. Eine verantwortungsvolle Berichterstattung schützt Leben", so Lamb.

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