Nicht ganz freiwillig hat die Tochter des hochrangigen SS-Offiziers Friedrich Kadgien nun ein zufällig wiederentdecktes Gemälde des italienischen Rennaissance-Künstlers Giuseppe Ghislandi (1655–1743) den Behörden übergeben.
Nachdem argentinische Journalisten das Bild zufällig in einem Immobilien-Inserat im Internet entdeckt hatten und die Polizei informierten, kam es im Badeort Mar del Plata zur Hausdurchsuchung. Dort wo das Bild laut Foto im Online-Inserat hängen sollte, fanden die Ermittler jedoch nur noch eine kahle Stelle an der Wand.
Allerdings kam es auch in drei weiteren Anwesen der Kadgien-Schwestern zu Hausdurchsuchungen, wo man auf andere Bilder, Zeichnungen und Stiche aus dem 19. Jahrhundert stieß, die ebenfalls den Verdacht auf Raubkunst erweckten.
Nachdem die Behörden nicht lockerließen und tagelang nach dem Gemälde aus dem Inserat weitersuchten, gab die Familie schließlich nach. Ihr Anwalt übergab das "Porträt einer Dame" in Buenos Aires den Fahndern und versprach, dass die Familie gewillt sei, mit den Behörden zu kooperieren.
Die Erbinnen betonen jedoch, dass das Kunstwerk 1943 "legal" von einem deutschen Museum erworben wurde und legten eine entsprechende Quittung vor. Der Fall erinnert an ähnliche Auseinandersetzungen um Raubkunst im Wiener Museum Leopold oder den Fall um den Kunstsammler Cornelius Gurlitt, der dutzende, millionenteure Werke, die ihren von den Nazis vertriebenen oder ermordeten Besitzern während der Zeit des Nationalsozialismus geraubt worden waren, in einem Versteck in Salzburg verstauben ließ.
Das nun in Argentinien entdeckte Werk aus dem 18. Jahrhundert war Medienberichten zufolge bereits 1940 während der deutschen Besatzung der Niederlande von den Nationalsozialisten aus der Sammlung des jüdischen Galeristen Jacques Goudstikker geraubt worden. Goudstikker starb noch im selben Jahr auf der Flucht vor den Nazis. Seither gelten rund 1.100 Kunstwerke aus seiner Sammlung als vermisst.
Ganz anders Friedrich Kadgien, der bis 1945 die rechte Hand von Reichswirtschaftsminister Hermann Göring und einer der wichtigsten Finanzexperten der Nationalsozialisten war. Er brachte das Gemälde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bei seiner Flucht aus Europa mit nach Argentinien, wo er bis zu seinem Tod 1978 einen schönen Lebensabend verbrachte.
Solange die Ermittlungen in Argentinien laufen stehen die Kadgien-Tochter und ihr Ehemann nun unter Hausarrest. Laut einem Kunstexperten ist das Bild in einem guten Zustand und rund 43.000 Euro wert, berichtet die "Krone".