Heute vor 611 Jahren

Tod am Scheiterhaufen: Der böhmische Reformator Jan Hus

Am 6. Juli 1415 wird der Prediger und Vorreiter der Reformation Jan Hus am Scheiterhaufen verbrannt. Dem Urteil geht ein folgenschwerer Verrat voraus.
Newsdesk Heute
06.07.2026, 16:00
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Er war ein früher Kirchenkritiker und Vorläufer Martin Luthers: Der böhmische Theologe und Prediger Jan Hus. Als er seine "ketzerischen" Lehren nicht widerrufen will, wird er am 6. Juli 1415 am Scheiterhaufen verbrannt.

Gegen Papst und Kirche

Dem Gelehrten, Theologen und Priester Jan Hus ist die Kirche ein Dorn im Auge: Macht und Geld, Korruption und sittlicher Verfall sind im kirchlichen Machtapparat um 1400 allgegenwärtig. Hus will das ändern. Er will eine Kirche, die sich auf ursprüngliche christliche Werte besinnt und die Religion wieder in den Mittelpunkt stellt.

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Tschechen gegen Deutsche

Wie ein Beitrag in der "Zeit" beleuchtet, fallen Hus´ Forderungen in Böhmen auf fruchtbaren Boden. So wird die Enteignung von Kirchengütern vom tschechischen Adel begrüßt, der gegen die kleine, aber umso mächtigere deutsche Oberschicht im Land vorgehen will. Hus´ Bewegung wird schnell zum Sammelbecken für fortschrittliche und nationalbewusste Tschechen; nicht zuletzt, weil Hus auf tschechisch predigt.

Folgenschwerer Verrat

Im Jahr 1410 wird der rund vierzig Jahre alte Hus von der Kirche verurteilt und als Häretiker mit dem Kirchenbann belegt. Dennoch sichert ihm der römisch-deutsche König Sigismund freies Geleit zu, als er seine Lehrmeinungen vier Jahre später auf dem Konzil von Konstanz (ab 1414) verteidigen will. Und wirklich: Wie die "Zeit" betont, wird Hus auf dem Weg nach Konstanz überall freundlich empfangen, der Weg gleicht einem Triumphzug.

Doch dann der Schock: Hus wird im November 1414 in Konstanz verhaftet und eingesperrt. Trotz Folter will der Prediger seine Lehren nicht widerrufen. Die Konsequenz: Nach Monaten der Gefangenschaft wird Hus als Häretiker verurteilt und schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Tschechischer Aufstand

Nach seinem Tod wird Jan Hus zum Märtyrer und zur Identifikationsfigur der tschechischen Nationalbewegung. Wie in einem Beitrag auf "religion.ORF.at" zu lesen ist, ist die Verbrennung Hus´ Ausgangspunkt für eine Erhebung seiner Anhänger ("Hussiten"), die in die 15 Jahre andauernden Hussitenkriege gipfelt.

Das letzte Wort sollte noch lange nicht gesprochen sein: Rund zweihundert Jahre später leitet die Erhebung böhmischer Protestanten gegen die deutsche Fremdherrschaft der Habsburger den Dreißigjährigen Krieg ein.

{title && {title} } red, {title && {title} } 07.07.2026, 05:44
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