Dramatische Szenen spielten sich im März 2025 in der Karl-Krestan-Gasse in Wien-Liesing ab: Eine 78-jährige Autofahrerin erfasste bei einer Baustelle einen Bauarbeiter – der Mann wurde von einem umstürzenden Kanaldeckel erschlagen. Nun fiel am Bezirksgericht Liesing das Urteil.
Die Pensionistin wurde vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Der Richter sah kein schuldhaftes Verhalten der Frau. Sie hatte ausgesagt, sie sei äußerst vorsichtig gefahren: "Man muss dort höllisch aufpassen." Den offenen Schacht und den Arbeiter habe sie nicht gesehen. Plötzlich habe sie nur "einen Rumpler gehört".
Der 52-jährige Bauarbeiter war gemeinsam mit einem Kollegen mit Kanalarbeiten beschäftigt. Während der Jüngere im Schacht arbeitete, sollte der Ältere als Sicherungsposten den Verkehr regeln. Laut Gutachter war die Baustelle jedoch mangelhaft abgesichert. "Es hat keine ordnungsgemäße Absicherung im Gefahrenbereich gegeben. Es wurden kein Gefahrenzeichen 'Baustelle' und keine Blinkleuchten angebracht." Das sei "nicht richtlinienkonform" und entspreche nicht "dem Stand der Technik".
Auch ein Zeuge kritisierte die Situation scharf: "Das war ein Wahnsinn. Die Unfallstelle ist generell sehr schlecht einsehbar."
Als die Autofahrerin vorbeifuhr, dürfte der 52-Jährige gerade Werkzeug in den Schacht hinabgereicht haben. Er wurde unter dem Vorderreifen eingeklemmt und vom Kanaldeckel tödlich getroffen.
Verurteilt wurde schließlich der mitangeklagte Polier der Baufirma. Er erhielt drei Monate bedingte Haft. Laut Gericht hätte er für eine ordnungsgemäße Absicherung sorgen müssen. Der Polier hatte zuvor erklärt: "Der Mann ist selber dort gestanden und hat mit Handzeichen hingewiesen, dass dort keiner hinfährt."
Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Die Witwe und die vier Kinder des Verstorbenen wurden mit ihren Forderungen auf den Zivilrechtsweg verwiesen.