Nach dem tödlichen Polizeieinsatz in Linz-Auwiesen gibt es immer mehr Details zu einer Nacht, die mit einem Hilferuf begann und mit Schüssen endete. Ein 27-Jähriger aus Linz wurde in den frühen Morgenstunden des 16. April bei einem Einsatz von Polizisten tödlich getroffen. Laut Polizei soll der Mann die Beamten mit einer Schere und einer Spritze angegriffen haben.
Begonnen hatte alles schon am späten Abend. Gegen 22 Uhr wurden die Einsatzkräfte erstmals alarmiert. Nach ersten Informationen soll der 27-Jährige angekündigt haben, sich in einem Bach das Leben zu nehmen. Die Lage war ernst genug, dass die Polizei sofort einschritt. Der Mann wurde wegen Gefahr im Verzug zum Neuromed Campus gebracht. Dort kam es aber zu keiner stationären Aufnahme.
Suizidgedanken? Hol dir Hilfe – es gibt sie
In der Regel berichten wir nicht über Selbsttötungen – außer, Suizide oder Suizidversuche erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn du unter Selbstmord-Gedanken, oder Depressionen leidest, dann kontaktiere die Telefonseelsorge unter der Nummer 142, täglich 0-24 Uhr.
TelefonSeelsorge – Notruf 142
Kriseninterventionszentrum: 01/4069595
Damit war die Situation nicht beendet – im Gegenteil. Nur kurze Zeit später mussten die Beamten erneut ausrücken. Diesmal führte der Einsatz zu einer Wohnadresse in Linz-Auwiesen. Dort sollen sich neben dem 27-Jährigen auch seine Mitbewohnerin und ein weiterer Mann befunden haben. Schon da dürfte die Stimmung hochgekocht sein.
Der entscheidende Notruf ging schließlich gegen 00.45 Uhr ein. Mehrere Polizeistreifen wurden wegen eines Tumults und lauter Schreie zu der Wohnung geschickt. Laut Polizei hielten die Schreie an, weshalb die Beamten die Wohnung unverzüglich betraten.
Was dann geschah, soll sich innerhalb weniger Augenblicke abgespielt haben. Die Polizei schildert den dramatischen Moment so: "Als die Beamten die Wohnung betraten, ging der 27-Jährige mit einer Schere in der einen und einer Spritze in der anderen Hand direkt und unvermindert auf die Beamten los."
In dieser Situation griffen die Polizisten zur Dienstwaffe. Der Mann wurde von Schüssen getroffen. "Durch die Beamten unverzüglich eingeleitete Erste-Hilfe-Maßnahmen blieben erfolglos", heißt es in der Aussendung der Exekutive.
Für die Bewohner in der sonst ruhigen Gegend ist der Vorfall ein Schock. Am Donnerstag deutete vor Ort äußerlich kaum noch etwas auf das nächtliche Drama hin. Umso größer sitzt die Verunsicherung bei Anrainern, die kaum fassen können, dass ihr Viertel plötzlich zum Schauplatz eines tödlichen Polizeieinsatzes wurde.
Brisant ist auch, dass der tödliche Schusswaffengebrauch nun automatisch von einer eigenen Stelle geprüft wird. Solche Fälle werden nicht von der regulären Polizei selbst aufgearbeitet, sondern im Rahmen eines strafprozessualen Ermittlungsverfahrens unter Leitung der zuständigen Staatsanwaltschaft untersucht. Zuständig ist die Ermittlungs- und Beschwerdestelle Misshandlungsvorwürfe im Innenministerium. Diese Sonderstelle ist organisatorisch von der übrigen Sicherheitsexekutive getrennt und soll den Sachverhalt unabhängig, objektiv und ergebnisoffen klären.
Damit stehen jetzt mehrere Fragen im Raum: Warum wurde der Mann im Spital nicht aufgenommen? Was genau geschah zwischen dem ersten Einsatz gegen 22 Uhr und dem Notruf um 00.45 Uhr in der Wohnung? Und wie kam es innerhalb so kurzer Zeit zu dieser finalen Eskalation? Die Ermittlungen sollen nun klären, was in dieser Nacht in Linz-Auwiesen genau passierte.