Tote Hose – mehr Männer kriegen wegen Covid keinen hoch

Die Pandemie hat Männern auch Erektionsprobleme beschert. 
Die Pandemie hat Männern auch Erektionsprobleme beschert. Getty Images/iStockphoto
Long Covid kann Männer besonders empfindlich treffen. So beobachten Forscher seit der Corona-Pandemie einen Anstieg von Erektionsstörungen. 

Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Erektionsproblemen bei Männern und einer Infektion mit dem Coronavirus. Doch mehr noch: Corona bringt sogar die Lust auf Sex beim vermeintlich starken Geschlecht in Gefahr. Darüber berichtet das Schweizer Onlineportal "20 Minuten". 

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So haben von Covid-19 genesene Männer laut einer im Fachjournal "Andrology" veröffentlichten Untersuchung ein sechsfach erhöhtes Risiko für Erektionsstörungen. Die Patient-Led Research Collaborative, eine Gruppe von Forschenden, die selbst Long Covid haben, erfuhr in einer Online-Befragung von 6500 Personen von 293 Symptomen. Darunter auch solche, die die sexuelle Gesundheit betreffen: 18 Prozent der Männer berichteten über sexuelle Funktionsstörungen, 13 Prozent hatten Schmerzen in den Hoden, 8 Prozent stellten andere Probleme mit den Geschlechtsorganen fest, und bei rund 4 Prozent schrumpften Penis oder Hoden.

Covid-Partikel in Penis nachweisbar

Wissenschaftler der University of Miami berichten im "The World Journal of Men’s Health", dass sie auch nach sechs bis acht Monaten nach der eigentlichen Erkrankung Sars-CoV-2-Partikel in Penis und Hoden nachweisen konnten. Weiter fanden sie Hinweise auf eine "endotheliale Dysfunktion" (siehe Box).

Endo was? 
Unter "endothelialer Dysfunktion" verstehen Experten Erektionsprobleme aufgrund von Schäden an den Endothelien. Die Endothelzellen kleiden wie eine Tapete sämtliche Blutgefäße und Schwellkörper im Körper aus, die die Durchblutung regeln. Das ist auch für das männliche Stehvermögen wichtig. Ist die Durchblutung gestört, ist auch eine Erektion in Windeseile verschwunden.

Auch für Covid-19 spielen die Endothelien eine große Rolle, wie ein Team des Unispital Zürich im April 2020 nachweisen konnte. Die Forscher zeigten, dass das Coronavirus nicht nur bestimmte Zellrezeptoren in der Lunge nutzt, um sich in den Körper einzuschleusen, sondern auch jene, die auf den Endothelien sitzen. "Das Virus sorgt dafür, dass die Blutplättchen verklumpen, das Blut dicker wird und die Gefäße enger werden – es trifft uns dort, wo es uns am meisten wehtut, und zwar auf allen Ebenen", wie "20 Minuten" einen Wissenschaftler des Züricher Teams zitiert. Die Folge seien unter anderem Durchblutungsstörungen.

Andere Studien haben eine ganze Reihe von Gesundheitsproblemen nach der Infektion dokumentiert, die sich entweder unabhängig voneinander oder gemeinsam auf den Geschlechtsverkehr auswirken. Darunter unter anderem: die Unfähigkeit, eine Erektion zu bekommen oder aufrechtzuerhalten, eine Schädigung der Hoden, Hodenschmerzen oder -schwellungen, die Unfähigkeit, einen Orgasmus zu bekommen, ein niedriger Testosteronspiegel oder psychische Probleme.

Auch Pflegekräften und Ärzten droht Sex-Flaute

Dass das Coronavirus Sars-CoV-2 Auswirkungen auf die sexuelle Gesundheit haben kann, bestätigt auch Daniel Eberli, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsspital Zürich: Seit Beginn der Pandemie "gibt es eindeutig mehr erektile Funktionsstörungen." Das zeige auch eine kürzlich im "Journal of General Internal Medicine" veröffentlichte Studie, laut der in den USA die Verkaufszahlen von Potenzmitteln wie Viagra oder Cialis im Jahr 2020 sprunghaft angestiegen sind. "Das ist natürlich ein indirektes Zeichen, das man ernst nehmen muss", so Eberli.

Der Urologe betont, dass die Beschwerden verschiedene Ursachen haben können: "Sexualität ist ein sehr komplexes Zusammenspiel. Da muss nicht nur auf zellulärer Ebene im Penis alles stimmen und der Testosteronspiegel gut sein. Es braucht auch eine gewisse psychologische Ruhe und Romantik."

Daran sei aber seit dem Auftauchen von Sars-CoV-2 für viele nicht zu denken gewesen. Es gebe Studien, die zeigen, dass die Belastungen der Pandemie nicht zu einem lustvollen Sexualleben geführt haben: "Bei einer Umfrage unter Personen aus dem Gesundheitswesen, die in den letzten Monaten besonders beansprucht waren, berichteten über 60 Prozent der Teilnehmenden von einer Form der Sexualstörung", zitiert Eberli. "Bei Nicht-Health-Care-Workers waren es nur 30 Prozent."

"Der Penis ist wie ein Sportler, den muss man regelmäßig trainieren, sonst kann der nicht richtig funktionieren." – Urologe Daniel Eberli

Die fehlende Lust über eine längere Zeit kann wiederrum Auswirkungen auf die Standfreudigkeit des Penis haben, erklärt Eberli: "Der Penis ist wie ein Sportler, den muss man regelmäßig trainieren, sonst kann der nicht richtig funktionieren."

Covid-Zellen auch im männlichen Sperma?

Der Mediziner glaubt derzeit nicht, dass das Long Covid im Genitalbereich von dauerhafter Natur ist: "Grundsätzlich bleiben wir momentan noch positiv, aber sicher kann man das natürlich noch nicht sagen." Doch es gebe Mittel und Wege. "Für die allermeisten Patienten haben wir Lösungen." Ganz ausgeschlossen sind Fälle von zum Beispiel Unfruchtbarkeit aber nicht, wie der Fall von "Heute"-Leser Alexander B.zeigt. Er erhielt nach seiner Covid-19-Erkrankung die Diagnose "zeugungsunfähig". 

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Eberli ist wichtig zu betonen, dass – obwohl Viruspartikel auch nach Monaten noch in Hoden und Penissen nachgewiesen wurden – diese nicht ins Spermium übermittelt werden: "Schädigungen beim Kind durch Veränderungen im Erbgut sind also ausgeschlossen." Das bestätigen auch elf Studien zum Thema: In keiner konnte Sars-CoV-2 im männlichen Samen nachgewiesen werden.

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