Tatort ist eine exklusive Seniorenresidenz in Wien-Döbling – eine 87-jährige Pensionistin wurde tot in ihrem Bett gefunden. Jetzt zeichnet sich eine neue Ermittlungsrichtung ab: Laut Aussagen des Heimleiters Helmut Schramm gegenüber "MeinBezirk" geht die Polizei aktuell davon aus, dass der Täter aus dem erweiterten Bekanntenkreis des Opfers stammt. Es werde nicht von einem zufälligen Eindringling ausgegangen.
Aus ermittlungstaktischen Gründen äußert sich die Polizei selbst nicht zu Details. Auf "Heute"-Anfrage heißt es lediglich, dass man derzeit keine Informationen veröffentlichen könne, ohne laufende Ermittlungen zu gefährden. Gleichzeitig wurde jedoch betont, dass für andere Bewohnerinnen und Bewohner sowie für Mitarbeitende keine akute Gefahr bestehe.
Ein ungewöhnliches Detail aus der Spurensicherung lenkte den Fokus früh auf ein mögliches persönliches Motiv. Im Hals der getöteten Frau fanden die Ermittler ein Schmuckstück. Dieses Detail gilt aus Sicht der Ermittler als Hinweis darauf, dass der Täter gezielt vorging und dem Opfer nahestand oder zumindest genaue Kenntnisse hatte.
Vor diesem Hintergrund wird jetzt geprüft, wer zuletzt engen Kontakt zur Seniorin hatte, wer Zugang zu ihrem Apartment hatte und wer mit ihren Gewohnheiten vertraut war. Der Familien- und Angehörigenkreis wird daher genauer unter die Lupe genommen.
Nach dem Mordfall ist die Anspannung in der Residenz spürbar gestiegen. Bewohnerinnen und Bewohner werden laut Heimleitung regelmäßig informiert, für das Pflegepersonal wurde psychologische Betreuung organisiert. Zusätzlich wurden die Sicherheitsmaßnahmen am Eingang vorübergehend verschärft.
Gleichzeitig wird geprüft, ob strengere Zugangskontrollen rechtlich überhaupt zulässig sind. Eine lückenlose Überwachung habe es bisher bewusst nicht gegeben, um die Freiheit der Bewohner nicht einzuschränken. "Wir sind keine Kaserne, wir sind kein Gefängnis", erklärte Heimleiter Helmut Schramm. Ziel bleibe eine offene Atmosphäre mit weiterhin möglichen Besuchen.
Die Seniorenresidenz ist laut Heimleitung kein klassisches Pflegeheim. Viele Bewohner leben selbstständig, nutzen die Anlage eher wie ein Hotel und gehen regelmäßig außer Haus. Nur ein kleiner Teil ist dauerhaft pflegebedürftig und auf der Bettenstation untergebracht. Auch die ermordete 87-Jährige lebte in einem eigenen Apartment und nahm lediglich eine Pflegeleistung in Anspruch. Wenn der Täter tatsächlich aus ihrem Umfeld stammt, muss er sie gut gekannt und Zugang zu ihr gehabt haben.
Während die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen weiter schweigt, ist die Richtung der Ermittlungen klarer denn je. Der Mord an der 87-Jährigen war offenbar kein Zufall – gesucht wird nun jemand, der ihr nahestand.