In der oberösterreichischen Industrie gelingt ein Schritt, der vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar war: Die Trauner Delfort Group kann an ihrem Standort im finnischen Tervakoski Papier ohne fossile Energieträger herstellen. Möglich macht das eine Kombination aus moderner Technik und erneuerbarer Energie.
Kernstück der Umstellung ist eine gewaltige Wärmepumpe, die Abwärme aus der Produktion nutzt und daraus Dampf für die Papiererzeugung gewinnt. Ergänzt wird das System durch einen Elektrodenkessel, wie die "OÖN" berichten. Der benötigte Strom stammt großteils aus Windkraft, Wasserkraft und Sonnenenergie.
Rund 50 Millionen Euro hat das Unternehmen in die Anlage gesteckt. Für Vorstandschef Martin Zahlbruckner ist das ein klarer Schritt in Richtung Zukunft: Man wolle Kunden helfen, ihre Umweltziele zu erreichen, gleichzeitig arbeite man konsequent an der eigenen Klimastrategie. Bis 2050 soll der Konzern klimaneutral werden.
Das Thema hat durch die angespannte Lage am Energiemarkt zusätzliche Brisanz. Die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus und die damit verbundene Knappheit bei Öl und Gas setzen viele Industriebetriebe unter Druck. Lösungen wie jene in Finnland gewinnen dadurch massiv an Bedeutung.
Delfort ist längst mehr als ein Hersteller von Tabakpapier. Neben klassischen Anwendungen beliefert das Unternehmen auch Lebensmittel- und Modekonzerne. Produziert werden etwa Verpackungen für Eis oder Butter, die Kunststoff ersetzen sollen. Auch in Hightech-Bereichen wie Energiespeicherung oder Elektronik kommen Spezialpapiere zum Einsatz.
Ob die fossilfreie Produktion bald auch an anderen Standorten Realität wird, ist offen. Technisch sei vieles möglich, wirtschaftlich müsse es sich aber rechnen, so der Vorstand. Gerade heimische Betriebe kämpfen weiterhin mit hohen Energiekosten.
Mit rund 3.200 Mitarbeitern und über einer Milliarde Euro Umsatz ist Delfort international stark aufgestellt. Das Geschäft verteilt sich auf Europa, die USA und Asien - Tendenz steigend.