Im Rahmen eines Pressegesprächs am 25. Februar informierten der Landesgeschäftsführer der Volkspartei Niederösterreich, Landtagsabgeordneter Matthias Zauner, und Landtagsabgeordnete Silke Dammerer über "aktuelle Entwicklungen in der Gastpatienten-Debatte", wie es damals in einer Aussendung hieß.
Konkret griffen sie die "Leidensgeschichte eines Niederösterreichers auf, dem in einem Wiener Spital die Gleichbehandlung verweigert wurde. Der betroffene Patient war ebenfalls vor Ort und zeigte sich von der Stadt Wien schwer enttäuscht".
Im Brief vonseiten des Orthopädischen Spitals Speising an den Betroffenen aus dem Bezirk Melk heißt es eingangs, er habe sich bereits vor einiger Zeit für eine Operation angemeldet und stehe auf einer Warteliste. In der damaligen Erstinformation habe er Angaben zur durchschnittlichen Wartezeit auf seine Operation erhalten. Aufgrund seines niederösterreichischen Wohnorts sei er nun allerdings "mit einer deutlich längeren Wartezeit" konfrontiert. Denn das Spital sei dazu verpflichtet, die Anzahl der Patientinnen und Patienten aus anderen Bundesländern zu reduzieren und könne ihn nun nicht mehr im vorgesehenen Zeitraum behandeln.
Der betroffene Patient August Grubhofer selbst zeigte sich in der Aussendung schwer enttäuscht: "Seit meiner Jugend zahle ich in unser Sozialsystem ein und leiste damit meinen fairen Beitrag. Dass mir dann im eigenen Land die Behandlung verweigert wird und ich auf die lange Bank geschoben werde, hätte ich mir nicht gedacht."
Was in der Aussendung verschwiegen wurde: August Grubhofer ist Obmann der ÖVP-nahen NÖ Senioren in der Stadt Melk sowie jahrelanger Obmann der Sportunion, wie auch die "NÖN" berichten.
Beim Pressegespräch selbst schilderte Grubhofer laut "NÖN" bereits konkret seinen Fall: Der Melker habe sich vor mehreren Monaten beim Golfspielen die Bizepssehne gerissen, später zwei weitere Sehnen. Grubhofer ging zu einem Wiener Privatarzt, der sich mit seinem Sohn, einem Physiotherapeuten, eine Praxis teile.
Dieser Arzt habe pro Woche einen "Operationsslot im Orthopädischen Spital Speising - ein Krankenhaus, in dem Grubhofer bereits mehrmals operiert wurde - und sagte dem Melker für Mitte Mai 2025 eine OP - als normalem Kassenpatienten - zu. Von der Untersuchung beim Arzt bis zur OP vergingen dann aber nur sechs Wochen - Grubhofer bekam aufgrund eines Ausfalls auf der Warteliste einen OP-Termin für Anfang April 2025".
Wenige Wochen nach der OP erhielt er dann den Brief aus Speising, wo mitgeteilt wurde, dass er sich auf einer OP-Warteliste befinde, man verpflichtet sei, ihm mitzuteilen, dass "in erster Linie die Versorgung der Wiener Bevölkerung sicherzustellen ist". Ebenso wurde er an Spitäler in NÖ verwiesen, die diese OP ebenso durchführen, heißt es in dem "NÖN"-Bericht. Grubhofer antwortet auf das Schreiben, dass er bereits operiert wurde. "Hätte ich nicht schon einen früheren Termin gehabt, hätte ich womöglich keine Operation bekommen", erzählt Grubhofer.
Die Frage ist also, warum die ÖVP in der Medieninformation diese Schilderungen, konkret, dass Herr Grubhofer bereits in Wien operiert wurde, nicht kommunizierte.
"Die Aussagen von Herrn Grubhofer, die in der Medieninformation vorkommen, beziehen sich ausdrücklich auf das Schreiben des Spitals Speising. Dabei geht eindeutig eine Ungleichbehandlung hervor", heißt es nun seitens der ÖVPNÖ.
Doch der Schaden ist angerichtet, die SPNÖ griff heute den Fall auf: "Wenn zwei Menschen streiten, ist nie einer allein schuld. Das weiß jeder normale Mensch. Nicht so die ÖVP Niederösterreich. Die glaubt bei der zweitniedrigsten Eigenversorgungsrate im Spitalswesen österreichweit trotzdem, dass in Niederösterreich alles perfekt läuft im Gesundheitsbereich. Wie gut das bei der Bevölkerung ankommt, kann man bei den Social Media-Kommentaren unter den Postings der ÖVP Niederösterreich selber nachlesen", sagt SPÖ-NÖ-Landesgeschäftsführer Wolfgang Zwander und führt fort:
"Der Streit mit Wien erreicht inzwischen aber skurrile Dimensionen. In Melk hat die ÖVP den versammelten Medien einen Gastpatienten präsentiert, der in Wien in kürzester Zeit operiert wurde. Für die ÖVP Niederösterreich war es offenbar ein Skandal, dass der Niederösterreicher in Wien behandelt wurde, denn sie hat den Fall genutzt, um sich vor den regionalen Medien über Wien zu beschweren. Schlimm genug, wenn das ganze Land seit Monaten einem fruchtlosen Streit zusehen muss, den ein Erwin Pröll bei zwei Spritzern gelöst hätte."
Und weiter: "Aber Patienten zu präsentieren, die in Wien behandelt wurden, um sich über Wien zu beschweren, kann nur als verspäteter Beitrag zum Fasching gewertet werden. Sollte die ÖVP Niederösterreich eine Rückkehr ins ernsthafte Fach planen, muss sie nicht weit schauen. Ein Blick in die eigenen Kommentarspalten würde genügen, um zu wissen, was die Bevölkerung von ihr erwartet: Arbeiten statt Anpatzen und Lösungen statt Lächerlichem!"