Die Formel 1 hat auf massive Kritik reagiert und vor dem Rennwochenende in Miami erste Anpassungen am umstrittenen 2026er-Reglement vorgenommen. Der Automobil-Weltverband FIA bestätigte Maßnahmen, die vor allem das Qualifying verbessern und Sicherheitsrisiken im Rennen reduzieren sollen. Doch für Max Verstappen greifen diese Änderungen viel zu kurz.
Der Niederländer kritisiert, dass die Probleme hausgemacht sind. Aus seiner Sicht hätte man die aktuelle Situation vermeiden können, wenn man schon vor Jahren stärker auf die Fahrer gehört hätte. "Ich denke, wenn wir diesen Input vor fünf oder sechs Jahren gehabt hätten, dann wären wir jetzt nicht in diesem Zustand."
Im Zentrum der Anpassungen steht das Energiemanagement. Erstmals liefert der Elektromotor fast die Hälfte der Leistung, was zuletzt dazu führte, dass Fahrer ihre Runden nicht konstant mit Vollgas fahren konnten. Die FIA will nun die Energierückgewinnung reduzieren und so ein gleichmäßigeres Fahren ermöglichen. Auch im Rennen sollen extreme Geschwindigkeitsunterschiede verringert werden, die zuletzt für gefährliche Situationen sorgten.
Auslöser waren unter anderem Szenen wie in Suzuka, als enorme Tempodifferenzen von bis zu 50 km/h auftraten. Diese entstanden durch den hohen E-Anteil und führten zu heiklen Zweikämpfen. Künftig sollen solche Unterschiede reduziert werden, ohne die Überholmöglichkeiten zu verschlechtern. Verstappen erkennt zwar an, dass es mittlerweile einen Dialog zwischen Fahrern, FIA und Formel 1 gibt, sieht darin aber eher einen ersten Schritt. "Ich hoffe einfach, dass es eine Lehre für die Zukunft ist."
Von den konkreten Änderungen ist er allerdings wenig überzeugt. Im Simulator hat er die neuen Parameter bereits getestet, ein großer Effekt blieb aus. "Es ist ein Kitzeln. Es ist noch nicht das, was wir brauchen, um wirklich wieder komplett am Limit zu fahren." Grundsätzlich stellt der Weltmeister klar, dass die Fahrer sehr wohl verstehen, was den Sport für Fans attraktiv macht. Dieses Gespür sei in den vergangenen Jahren jedoch zugunsten technischer und politischer Kompromisse in den Hintergrund gerückt.
Für Verstappen geht es dabei nicht nur um die Gegenwart. Er denkt bereits an kommende Generationen und fordert mehr Mitsprache für die Piloten. "Selbst wenn ich in ein paar Jahren vielleicht nicht mehr hier bin, hoffe ich, dass es mehr Input von den Fahrern geben wird." Miami ist für ihn daher nur ein vorsichtiger Testlauf. Der entscheidende Prüfstein wird das kommende Reglement. Seine Forderung ist klar. "Ich hoffe, dass nächstes Jahr wirklich große, einschneidende Änderungen kommen."