Angst geht um

Venezuela, Grönland: Trump schockiert die ganze Welt

Donald Trump schlug in Venezuela zu, jetzt möchte er Grönland kontrollieren. Die Welt zittert indes vor einer völligen Eskalation des US-Präsidenten.
Newsdesk Heute
07.01.2026, 22:22
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US-Präsident Donald Trump hat laut Weißem Haus "intensiv" darüber nachgedacht, Grönland von Dänemark zu kaufen. "Das Thema wird derzeit intensiv vom Präsidenten und seinem nationalen Sicherheitsteam diskutiert", erklärte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt am Mittwoch vor Journalisten in Washington.

"Sein Team spricht derzeit darüber, wie ein potenzieller Kauf aussähe", sagte sie noch dazu. Trump ist überzeugt, dass ein Kauf von Grönland im Sicherheitsinteresse der USA liege.

Leavitt betonte weiter, dass aus Trumps Sicht ein Kauf "im besten Interesse der USA, um eine russische oder chinesische Aggression in der Arktisregion zu verhindern" sei.

"So macht das dieser Präsident nicht"

Als sie gefragt wurde, warum Trump ein militärisches Vorgehen gegen den Nato-Partner Dänemark nicht ausschließe, antwortete seine Sprecherin: "So macht das dieser Präsident nicht. Für Präsident Trump liegen immer alle Optionen auf dem Tisch." Sie ergänzte: "Ich möchte nur sagen, dass für den Präsidenten die erste Option immer die Diplomatie gewesen ist."

Vor dem Hintergrund der seit Tagen anhaltenden Spannungen rund um Grönland kündigte US-Außenminister Marco Rubio kurz davor für die kommende Woche ein Treffen mit Regierungsvertretern Dänemarks an. "Ich werde mich mit ihnen kommende Woche treffen", sagte Rubio dazu knapp.

Dänemarks Außenminister Lars Lökke Rasmussen hatte nach eigenen Angaben am Montag, angesichts des wiederholten Wunsches von Trump, dass die USA Grönland übernehmen, um ein Treffen mit Rubio gebeten.

"Lassen Sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen"

Trump hatte am Sonntag den US-Anspruch auf das zu Dänemark gehörende Grönland bekräftigt: "Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit, und Dänemark wird nicht dazu in der Lage sein", sagte er an Bord des Präsidentenflugzeugs Air Force One. Er fügte hinzu: "Lassen Sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen."

Nach dem US-Militärangriff auf Venezuela und der Festnahme von Staatschef Nicolás Maduro sind die Sorgen bei westlichen Partnern der USA gewachsen, dass Trump es mit seinen Drohungen, das rohstoffreiche und strategisch wichtige Grönland einnehmen zu wollen, ernst meint. Am Dienstag veröffentlichten mehrere Regierungschefs – darunter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) – eine Erklärung, in der sie Dänemark ihre Unterstützung zusicherten.

Grönland gehört zum EU- und Nato-Staat Dänemark, hat aber weitgehende Selbstverwaltung. Umfragen zeigen, dass die große Mehrheit der rund 57.000 Bewohner der arktischen Insel die völlige Unabhängigkeit von Dänemark will. Gleichzeitig lehnen die meisten Grönländer aber eine Eingliederung in die USA ab.

Republikaner-Chef wusste nichts von Militäreinsatz

Der republikanische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson, sieht nach eigenen Angaben keine Hinweise auf einen US-Militäreinsatz in Grönland. "Ich glaube nicht, dass irgendjemand über den Einsatz militärischer Gewalt in Grönland spricht. Man sucht nach diplomatischen Wegen", sagte Johnson. Er räumte aber auch ein, dass er im Vorfeld nicht über das militärische Vorgehen in Venezuela informiert worden sei.

Politikwissenschaftler Herfried Münkler von der Humboldt-Universität in Berlin verfolgt die Geschehnisse mit Sorge, wie er am späten Mittwochabend in der "ZIB2" bei ORF-Moderator Armin Wolf erklärte. "Man hat Trump ja einiges zutrauen können, aber dass er die Nato dahingehend umfunktioniert, dass sie nicht mehr ein funktionierendes Verteidigungsbündnis gegen äußere Feinde, sondern ein Umverteilungsmechanismus von Territorien im Inneren ist, das hat man glaube ich vernünftigerweise nicht antizipieren können", so Münkler.

"Daran hindern können ihn die Europäer nicht", so der Politikwissenschaftler zur Frage, ob jemand Trump aufhalten könnte, wenn er tatsächlich Grönland angreifen würde – auch, weil Europa auf die USA angewiesen seien, die "den nuklearen Schutzschild über Europa" halten würden. "Die Amerikaner haben ohnehin schon Truppen auf Grönland stehen. Schon immer", so der Experte. "Sie müssen eigentlich nur erklären, sie hätten es annektiert." Ein Erobern "im klassischen Sinn" würde es nicht geben.

"Ferner Verwandter, der einem ständig Stress bereitet"

Für viele Nato-Mitglieder wäre der Schritt aber mit einer Entscheidung verbunden, ob man nicht eine eigene, europäische Version der Nato aufbauen wolle, so Münkler. Die USA wären dann ein "ferner Verwandter" aus Nato-Sicht, der zwar da sei, auf dessen Schutz man sich aber nicht verlassen könne und "der einem ständig Stress bereitet".

Rechne Münkler mit weiteren Militäreinsätzen wie in Venezuela, etwa in Kuba oder Mexiko? Der Einsatz in Venezuela solle eher eine Drohung an andere Länder darstellen, enge Verbindungen mit Russland und vor allem China einzugehen, so der Experte. "Es geht Trump natürlich auch um Geschäfte", so Münkler, aber vor allem wolle er nicht, dass sich in Amerika Länder festsetzen würden, die wie Kuba "ein Stachel im Fleisch" der USA seien. "Ob das gut gehen wird, muss man schon fragen."

Zur Beschlagnahmung eines Tankers unter russischer Flagge durch die USA erklärte der Politikwissenschaftler, er gehe davon aus, dass es nicht zu einer Eskalation kommen werde, da sich der Kreml keinen weiteren Konflikt leisten könne. "Das sind Schläge, die Putin hinnehmen muss", so Münkler. Trump sei "sehr sprunghaft", aber hinter seinen Aktionen stehe wohl ein geopolitischer Plan, so der Experte. Die Umsetzung sei aber noch "unzulänglich". Global sei "eine Wiederkehr der Imperien" zu beobachten, so Münkler, von den USA, China und Russland. "Über kurz oder lang wird es zwischen Russland und China knistern und vermutlich auch zwischen den USA und Russland."

{title && {title} } red, {title && {title} } 07.01.2026, 22:22
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