Die Verhandlungen zwischen den USA und Russland über ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs drehen sich offenbar längst nicht mehr nur um Waffenruhe und Sicherheitsfragen. Auch ein milliardenschweres Ölgeschäft ist zum Thema geworden.
Wie die "New York Times" unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen berichtet, geht es um internationale Vermögenswerte des russischen Energiekonzerns Lukoil. Das Paket aus Ölfeldern, Raffinerien und Tankstellen soll rund 20 Milliarden Dollar wert sein.
Brisant: Russlands Präsident Wladimir Putin soll das Geschäft bei einem Treffen mit den US-Unterhändlern Jared Kushner und Steve Witkoff am 5. September im Kreml selbst angesprochen haben. Kushner ist der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Witkoff gehört zu den zentralen US-Unterhändlern in den Gesprächen mit Moskau.
Putin soll den geplanten Verkauf als Möglichkeit dargestellt haben, den Russen zu zeigen, dass Geschäfte mit den USA trotz der Sanktionen wieder möglich sein könnten. Auf US-Seite wird dem Geschäft zugleich eine mögliche Rolle beim Aufbau von Vertrauen in den Verhandlungen zugeschrieben. Auch niedrigere Energiepreise stehen als mögliches Ziel im Raum.
Die USA hatten Lukoil am 22. Oktober 2025 mit Sanktionen belegt. Der Konzern sucht seither nach Käufern für seine internationalen Beteiligungen. Das US-Finanzministerium erlaubt derzeit Verhandlungen über einen Verkauf – der tatsächliche Eigentümerwechsel benötigt allerdings eine gesonderte Genehmigung der US-Behörden.
Damit hat Washington erheblichen Einfluss darauf, welcher Käufer am Ende zum Zug kommt. Eine endgültige Entscheidung über das Milliardengeschäft ist bisher nicht gefallen. Auch die Zustimmung Moskaus wäre notwendig.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt die Zusammensetzung einer der Käufergruppen. Zu ihr gehört der US-Milliardär Todd Boehly. Ebenfalls beteiligt sind Investoren aus Katar und Abu Dhabi, die bereits geschäftliche Beziehungen zu Kushner oder zur Familie Witkoffs unterhalten haben.
Darunter befinden sich katarische Geschäftsleute, die auch bei einem von Kushner geplanten Projekt in Albanien engagiert sind. Zudem ist ein Investmentvehikel aus Abu Dhabi Teil der Gruppe. Dass Kushner oder Witkoff persönlich an einem Verkauf verdienen würden, ist damit jedoch nicht belegt.
Nach Angaben aus US-Regierungskreisen soll ein möglicher Deal "eine erhebliche Vorauszahlung sowie eine Gewinnbeteiligung" umfassen. Das Geschäft ist allerdings weiterhin Gegenstand von Verhandlungen und müsste von den zuständigen US-Behörden abgesegnet werden.