Nach der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike wächst im US-Bundesstaat Tennessee der Druck auf Gefängnis-Chef Frank Strada. Mehrere republikanische Politiker fordern seine Ablösung – und verweisen dabei auch auf Probleme bei Hinrichtungen während seiner früheren Tätigkeit in Arizona.
Strada wurde 2023 nach Tennessee geholt. Dort sollte er die Strafvollzugsbehörde führen und dazu beitragen, die seit 2022 ausgesetzten Hinrichtungen wieder aufzunehmen. Zuvor hatte eine unabhängige Untersuchung festgestellt, dass Tennessee über Jahre gegen eigene Vorschriften zur tödlichen Injektion verstoßen hatte, berichtet die "New York Times"
Nun steht Strada nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch an Christa Pike im Fokus. Die 50-Jährige überlebte die für Mittwoch angesetzte tödliche Injektion und befindet sich in kritischem Zustand an einem Beatmungsgerät.
Pike war 1995 wegen des Mordes an einer Mitschülerin verurteilt worden und hatte fast drei Jahrzehnte im Todestrakt verbracht, einen Großteil davon in Einzelhaft.
Nach dem Vorfall setzte Gouverneur Bill Lee alle bevorstehenden Hinrichtungen aus und ordnete eine Untersuchung an.
Dabei rückt auch Stradas Vergangenheit in Arizona in den Mittelpunkt. Als hochrangiger Gefängnisbeamter war er dort für Teams verantwortlich, die drei Hinrichtungen durchführten, bei denen es laut Anwälten und Gerichtsakten jeweils Schwierigkeiten beim Legen intravenöser Zugänge gab.
Bei einem der Versuche sagte ein zum Tode verurteilter Gefangener: "Können Sie das glauben?", als das Team versuchte, einen Zugang über seine Oberschenkelvene zu legen. In einem anderen Fall soll ein bereits festgeschnallter Gefangener selbst vorgeschlagen haben, eine Vene in der Nähe seiner Hand zu verwenden.
Auch nach Stradas Wechsel nach Tennessee gab es Probleme. Neben dem gescheiterten Versuch bei Pike konnte im Mai auch die geplante Hinrichtung des wegen dreifachen Mordes verurteilten Tony Carruthers nicht durchgeführt werden.
Mehrere republikanische Politiker kritisieren Stradas Amtsführung inzwischen scharf. Staatssenator Tom Hatcher, früher Vorsitzender des Aufsichtsausschusses für das Justizvollzugsministerium, erklärte: "Wenn ich die Kommissare auf einer Skala von eins bis zehn bewerten würde, wäre er eine Eins"
Die republikanische Abgeordnete Jody Barrett bezeichnete es als "Farce und Pflichtverletzung", dass Gouverneur Lee Strada weiterhin im Amt belasse.
"Mir ist kein Beruf oder keine Position bekannt, in der man zwei von drei Mal komplett scheitern und trotzdem im Amt bleiben könnte", sagte Barrett. "Das ist eine der schwerwiegendsten, wenn nicht sogar die schwerwiegendste Handlung einer Regierung."
Strada war für ein Interview nicht erreichbar, sein Büro wollte keine Stellungnahme abgeben. 2024 hatte er erklärt, gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft an einer Überarbeitung des Verfahrens für tödliche Injektionen gearbeitet zu haben. Er zeigte sich damals zuversichtlich, dass dieses funktionieren werde.
Gouverneur Lee verwies nach dem jüngsten Vorfall auf die geltenden Abläufe. "Soweit wir wissen, hat sich das Justizvollzugsministerium genau an das Protokoll gehalten, das von der Generalstaatsanwaltschaft festgelegt, geprüft und genehmigt wurde."
Auch US-Senatorin Marsha Blackburn kündigte Veränderungen in der Strafvollzugsbehörde an. "Wir werden im Justizvollzugsministerium personelle und verfahrenstechnische Veränderungen vornehmen und diese Veränderungen an der Spitze mit einer neuen Führung beginnen, um sicherzustellen, dass das Ministerium seiner Mission und Verantwortung gegenüber den Einwohnern von Tennessee gerecht wird"
Unterdessen diskutieren Abgeordnete in Tennessee auch über Änderungen bei den Hinrichtungsmethoden. Gesetze könnten demnach die Giftspritze als Methode ausschließen.
Der elektrische Stuhl würde weiterhin zur Verfügung stehen. Zusätzlich wird darüber nachgedacht, Hinrichtungen durch Erschießungskommandos zu ermöglichen.
Auch abseits der Hinrichtungen verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Strada und republikanischen Abgeordneten. Senator Richard Briggs erklärte, der Behördenchef habe auf Fragen teilweise ausweichend oder defensiv reagiert.
Einen von Abgeordneten als "Aufruhr" bezeichneten Vorfall habe Strada laut Briggs lediglich als "eine geringfügige Störung" bezeichnet.
Zuletzt erwarteten die Abgeordneten Strada bei einer Ausschusssitzung, um ihn zu einem tödlichen Messerangriff auf einen Justizvollzugsbeamten zu befragen. Laut Briggs erhielten sie jedoch zwei Botschaften aus dem Büro des Gouverneurs: "Zuallererst: Der Kommissar kommt nicht" und "Und zweitens: Fragen Sie nicht nach der Todesstrafe."