Es sollte ihre letzte Nacht sein. Doch Christa Gail Pike lebt. Im US-Bundesstaat Tennessee scheiterte am Mittwochabend die geplante Hinrichtung der zum Tode verurteilten Mörderin. Selbst nachdem ihr zwei Dosen des Hinrichtungsmittels Pentobarbital verabreicht worden waren, starb die 50-Jährige nicht.
Mehr als 40 Minuten nach Beginn der Prozedur war Pike noch am Leben. Schließlich wurde die Hinrichtung abgebrochen und die Frau in ein Krankenhaus gebracht. Die Gefängnisbehörde erklärte, das vorgeschriebene Protokoll sei ausgeschöpft gewesen. Weitere Schritte seien im Rahmen des geltenden Ablaufs nicht vorgesehen gewesen.
Doch was passiert jetzt mit Christa Pike?
Fest steht: Das Todesurteil gegen Pike ist durch die gescheiterte Hinrichtung nicht aufgehoben. Allerdings ist der bisherige Hinrichtungsbefehl inzwischen ausgelaufen.
Tennessee kann deshalb nicht einfach einen weiteren Versuch starten. Für eine neuerliche Hinrichtung müsste der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates zunächst einen neuen Termin festsetzen. Wann – und ob – das passiert, ist derzeit offen.
Dazu kommt: Tennessees Gouverneur Bill Lee reagierte auf die dramatischen Ereignisse und stoppte die noch für 2026 geplante Hinrichtung eines weiteren Häftlings. Gleichzeitig ordnete er eine unabhängige Untersuchung an. Dabei soll geklärt werden, warum die Hinrichtung von Pike nicht funktionierte.
Auch Pikes Anwälte kämpfen weiter. Sie machen unter anderem Probleme beim Venenzugang und mögliche Schäden an den Venen ihrer Mandantin geltend. Zudem stellen sie Fragen zum eingesetzten Pentobarbital.
Ob diese Probleme tatsächlich für das Scheitern der Hinrichtung verantwortlich waren, ist bisher nicht abschließend geklärt. Die Behörden in Tennessee betonen hingegen, das vorgeschriebene Protokoll sei eingehalten worden.
Der Fall könnte damit erneut die Gerichte beschäftigen - und die Frage aufwerfen, unter welchen Voraussetzungen der Staat überhaupt einen zweiten Hinrichtungsversuch unternehmen darf.
Besonders brisant: Es ist nicht die erste gescheiterte Hinrichtung in Tennessee in diesem Jahr. Bereits im Mai konnte die Hinrichtung des verurteilten Mörders Tony Carruthers nicht durchgeführt werden, weil kein geeigneter intravenöser Zugang gelegt werden konnte.
Bei Pike ging die Prozedur deutlich weiter: Das tödliche Mittel wurde verabreicht - trotzdem überlebte sie. Wann Christa Pike erneut hingerichtet werden könnte, weiß derzeit niemand. Klar ist nur: Ohne neuen Hinrichtungstermin und nach der angeordneten Untersuchung dürfte sie vorerst am Leben bleiben.